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ForschungTopnews

Diäten: Stress und Schuldgefühle häufig die Folge von zwanghaftem Abnehmen

von redaktion Posted on 16.04.2015 14:1829.04.2015 14:15

Wer, wie viele Millionen anderer Menschen, bereits eine Diät hinter sich hat, der sollte laut der amerikanischen Forscherin Traci Mann wissen, dass es nicht an der eigenen Charakterschwäche liegt, wenn diese nicht -oder zumindest nicht lange- funktioniert hat.

Mann ist Gründerin des Labors für Gesundheit und Ernährung an der Universität von Minnesota, wo sie auch als Professorin für Sozial- und Gesundheitspsychologie arbeitet. Laut der Forscherin könne man mit praktisch jeder Diät abnehmen. Das Problem sei jedoch, dass die Kilos bei rund 95 Prozent der Menschen wieder zurückkämen.

„Man kann eine Diät stoppen und trotzdem gesund sein“, sagte Mann in einem Interview über ihr neues Buch „Geheimnisse des Ernährungslabors“, das einen Überblick über Diäten, Willenskraft und Gesundheit gibt. Und wenn man zuerst Gewicht abgenommen hat, nur um dann wieder zuzunehmen, dann sei das wirklich nicht nur die eigene Schuld. Vielmehr sei dies das Resultat der Körperbiologie, aber auch von Stress und dem Reiz der „verbotenen Frucht“.

Diäten sollten nicht zum Schwerpunkt des Lebens werden

Wenn man schlanker sein möchte als es die natürliche Körperkonstitution vorgibt, dann müsse man sich dessen jeden Tag und ständig bewusst sein. Essenszeiten, Snackzeiten und wann man Sport betreiben sollte, müssten dann immer im Auge behalten werden und dieses Thema wird so zum Schwerpunkt des eigenen Lebens gemacht. Für Traci Mann scheint das „geradezu verrückt“.

Mann schreibt in ihrem Buch, dass eine Diät Stress, mangelndes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle verursachen kann.” Die einfachen Ratschläge weniger zu essen oder sich mehr zu bewegen helfen bei Menschen nicht, die seit vielen Jahren übergewichtig sind”, schrieb auch eine Gruppe von Ärzten kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet Diabetes & Endocrinology“.

Nur wenige langfristige Studien über Abnehmerfolg

Laut Mann seien nur wenige Studien wirklich zufallsgesteuert und die Teilnehmer würden dabei auch nicht über Jahre hinweg begleitet. So hätte ihr Labor nur 21 solcher Studien gefunden, in denen die Teilnehmer bis zu 10 Jahre begleitet wurden. Durchschnittlich hätten die Abnehmwilligen dabei gerade einmal ein Kilo verloren.

Auch Kelly Brownwell, Experte für Übergewicht und Dekan an der Stanford School of Public Policy an der Duke Universität erklärte, dass „ein großer biologischer Druck des Körpers besteht, verlorenes Gewicht wieder zurück zu erlangen“.

Zwischen zwei Frauen mit einem jeweiligen Körpergewicht von 70 Kilo, von denen eine 20 Kilo abgenommen hat und die andere dieses Gewicht natürlich besitzt, bestehe laut Brownwell ein erheblicher stoffwechselbedingter Unterschied.

Adipositas-Paradoxon

Traci Mann teilt die gängige Meinung, dass Fettleibigkeit (Adipositas) ein Todesurteil bedeutet. An Übergewicht zu sterben sei laut der Expertin also nur ein Problem der wirklich sehr schweren Menschen.

Darüber hinaus  bestehe zwar für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ein erhöhtes Risiko an Diabetes oder bestimmten anderen Krankheiten zu erkranken, es gäbe aber auch ein Phänomen, das von Forschern als Adipositas-Paradoxon bezeichnet wird. So hätten fettleibige Menschen oft eine bessere Prognose bei verschiedenen Krankheiten.

 

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