Heuschnupfen: Immunsystem wird umprogrammiert


Ca. 16 Millionen Menschen in Deutschland fürchten die Pollenflugzeit im Frühjahr. Doch das Niesen und die tränenden und angeschwollenen Augen können bald der Vergangenheit angehören. Pharmafirmen arbeiten auf Hochtouren an einem Impfstoff, der den Heuschnupfen für immer stoppen soll.

Derzeit haben Betroffene nicht viele Chancen gegen die Symptome der Pollenallergie anzukämpfen. Es gibt viele verschiedene Medikamente und auch homöopathische Behandlungen, doch helfen tun sie wenig bis gar nichts. Antihistamine können helfen, um die allergische Reaktion zu dämpfen, aber sie machen den Patienten auch müde.

Die derzeitige Desensibilisierung ist auch keine ausreichende Lösung

Eine andere Möglichkeit, die es noch gibt, ist die Desensibilisierung. Es werden dabei die erregenden Pollenallergene unter die Haut gespritzt, um den Körper an die Allergene zu gewöhnen. In der Theorie soll der Körper Abwehrkräfte gegen die Partikel entwickeln und aufhören auf sie zu reagieren. Jedoch ist die Desensibilisierung teuer, dauert mindestens drei Jahre und hat Nebenwirkungen.

Immer mehr Betroffene

In Deutschland leiden nach Schätzungen 15 bis 16 Millionen Menschen an Heuschnupfen und es werden immer mehr. Der Grund dafür ist, dass die Menschen genetisch anfälliger werden. Außerdem verlängert sich die Pollenzeit. Sie beginnen früher zu fliegen und hören auch später wieder auf.

In fünf Jahren

In fünf Jahren könnte es soweit sein. Das österreichische Pharmaunternehmen Biomay entwickelt gerade zusammen mit der Medizinischen Universität Wien und der TU München einen Impfstoff, der das Problem mit den Pollen dauerhaft stoppen soll.

Der neue Wirkstoff, der entwickelt wird, hat im Gegensatz zu der üblichen Desensibilisierung im neuen Wirkstoff BM32 nur kleine Eiweiß-Abschnitte der Pollenallergene enthalten. Damit sollen weniger Nebenwirkungen auftreten. 2017 startet die letzte Studienphase und bereits 2020 könnte der Impfstoff zugelassen werden.

Funktionsweise der neuen Methode

Eine allergische Reaktion wird dadurch ausgelöst, dass sich die Allergene an Antikörper binden, die in zu großer Zahl vorhanden sind. Sie machen das Immunsystem überempfindlich. Die Antikörper sind zudem verantwortlich, dass Entzündungs-Botenstoffe ausgeschüttet werden, die die Augen zum Tränen und die Nase zum Rinnen bringt.

Im neuen Impfstoff wurden die allergenen Eiweiße verändert. Kleine Eiweiß-Abschnitte wurden auf den Außenhüllen von entschärften Hepatitis-Viren angebracht, die als Transportmittel dienen. Die Hepatitis-Viren bringen die Abschnitte zu den Immunzellen. Bestimmte Zellen werden durch den Wirkstoff angeregt Antikörper zu bilden, die harmlos sind.

Kommt der Patient nun in Kontakt mit Pollenallergenen, fangen die neuen Antikörper diese auf der Schleimhaut ab und die krankmachenden Teile der Pollen werden unschädlich gemacht. Bereits 3 Spritzen sollen ausreichen, um gut gerüstet in die Pollenzeit zu starten. Im Herbst bekommt der Patient die erste Spritze, um über den Winter stabil zu bleiben.

„Das Immunsystem baut seine veränderte Reaktion gegen die Pollen nur langsam auf. Es muss mehrfach daran erinnert werden, wie es reagieren soll“, so Rainer Henning, Chef der Firma Biomay. Daher erhält der Betroffene vor Beginn der Pollenzeit drei weitere Spritzen. Damit ist man dann für einige Jahre befreit von lästigen Niesanfällen, Atemlosigkeit und tränenden Augen.

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