Endokrine Therapie ohne Osteoporose: Forscher fanden neue Strategie für Brustkrebspatientinnen


Bei Frauen mit einer bestimmten Form von Brustkrebs wird schon seit 1970 eine antihormonelle Therapie (endokrine Therapie) eingesetzt, um den Rückfall von Krebs zu verlangsamen bzw. auch komplett zu stoppen. Jedoch kann diese 5-jährige Behandlung Osteoporose (Knochenschwund) auslösen. Nun könnte eine effiziente Gegenstrategie gefunden worden sein.

Endokrine Therapie

Ca. zwei Drittel der bösartigen Brusttumore stehen im direkten Zusammenhang mit weiblichen Geschlechtshormonen. Maßgeblich für das Wachstum von Tumoren sind die Östrogene verantwortlich, die in den Eierstöcken und anderen Geweben produziert werden. Aus diesem Grund entfernte man bzw. bestrahlte man früher die Eierstöcke der Frau. Das hatte zur Folge, dass viele junge Patientinnen unfruchtbar wurden. Seit 1970 verwendet man daher Medikamente (endokrine Therapie), um das Wachstum der Tumore zu stoppen. Diese Art der Therapie kann aber Osteoporose hervorrufen.

Österreichische Forscher haben neue Strategie gefunden

Die Studie zu der neuen Entdeckung stammt von der österreichischen Studiengruppe für Brust und Darmkrebs (ABCSG, Austrian Breast & Cancer Study Group). Es ist die bisher größte Brustkrebsstudie, die in Österreich durchgeführt wurde. „Es handelt sich um die bisher größte Brustkrebsstudie Österreichs“, so Michael Gnant, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie an der medizinischen Universität Wien. Zudem ist Gnant Präsident der Austrian Breast & Cancer Study Group (ABCSG). Die Studie ABCSG 18, die unter der Leitung von Michael Gnant steht, brachte hervor, dass Osteoporose reduzierbar ist. Mit diesem Ergebnis, dass die Langzeitfolgen von einer endokrinen Krebstherapie reduziert werden können, stellt sich die Studiengruppe ABCSG wieder an die Weltspitze der Krebsforschung.

Auf der ganzen Welt gibt es nur zwei Forschungen zu dieser Thematik. Die österreichischen Forscher konnten nun nach über 10 Jahren Laufzeit ein Ergebnis hervorbringen.

Teilnehmer an der Studie

Von Dezember 2006 bis Juli 2013 wurden Patientinnen ausgewählt, die sich Bereit erklärten an der Studie teilzunehmen. Insgesamt 3.425 Patientinnen, die an einem hormonabhängigen Brustkrebs nach der Menopause leiden, nahmen an der Studie teil. Sie wurden in 65 Behandlungszentren in Österreich behandelt. Hunderte Ärzte trugen als Forsche bei, um dieses Ergebnis zu erhalten. Die genauen Details der Ergebnisse der ABCSG 18-Studie werden beim Jahreskongress der Amerikanischen Onkologengesellschaft (ASCO) in Chicago vorgestellt (29.5.-2.6.2015).

Ansatzpunkt für die neue Strategie

Der Ansatzpunkt, der für die neuen wissenschaftlichen Untersuchungen wichtig war, ist die Erkenntnis, dass Brustkrebserkrankungen vom Wachstumsstimulus der weiblichen Geschlechtshormone abhängig sind. Das trifft auf ca. 70 Prozent der Mammakarzinome zu. Daher konnten Patientinnen, die eine bestimmte Brustkrebsart hatten, mit der antihormonellen Therapie behandelt werden. Diese Art von Behandlung ist eine etablierte Alternative zur Chemotherapie, die mehr Nebenwirkungen mit sich bringt. „Die Standardtherapie für hormonabhängigen Brustkrebs nach der Menopause ist eine antihormonelle Behandlung mit sogenannten Aromatasehemmern nach der Operation. Man strebt eine fünf Jahre dauernde Therapie an“, so Gnant.

Durch die Aromatasehemmer wird die körpereigene Östrogenproduktion bei Frauen blockiert. Das führt dazu, dass der Wachstumsstimulus für zurückgebliebene Krebszellen entfällt und die Rückfälle treten wesentlich seltener auf.

Osteoporose als Folge

Die medikamentöse Behandlungsmethode fördert jedoch die Entstehung von krankhaftem Knochenschwund. Das kann zu Oberschenkelhalsbrüchen, Wirbelkörpereinbrüche oder auch Armbrüche nach Stürzen führen. „Das ist bei rund 15 Prozent der postmenopausalen Brustkrebspatientinnen fünf Jahre nach einer Behandlung mit Aromatasehemmern der Fall“, erklärt Gnant.

Vorgehensweise bei der Studie – 50 Prozent weniger Frakturen

Das war ausschlaggebend für die Wissenschaftler nach einer Methode zu suchen, die dem entgegen steuert und dabei wirksam und nebenwirkungsarm ist. Die 3.425 Mammakarzinompatinennten wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Hälfte der Gruppe bekam zwei Mal pro Jahr je 60 Milligramm des monoklonalen Antikörpers Denosumab injiziert, das zur Behandlung von Knochenschwund verwendet wird. Die anderen Patientinnen bekamen ein Placebo.

Die Forscher stellten nach Ende der Studie fest, dass die Frauen, die mit dem humanen monoklonalen Antikörper Denosumab zusätzlich zur endokrinen Therapie behandelt wurden, die Häufigkeit der Knochenbrüche um 50 Prozent sank. In der Placebogruppe gab es 176 Frakturen und in der Antikörpergruppe hingegen 92.

Der Effekt bei den 1.872 Patientinnen, die anfangs noch nicht unter Knochenschwund litten, war mit minus 56 Prozent sehr hoch. Bei den 1.548 Frauen, die die Osteoporose bereits aufwiesen, war die Wirkung mit minus 43 Prozent bei der Verletzungshäufigkeit im Vergleich zu den Patientinnen aus der Vergleichsgruppe (Placebo) ebenfalls gut. Außerdem erhöhte sich die Knochendichte bei den Patientinnen, die nicht in der Kontrollgruppe waren. In der Wirbelsäule erhöhte sich die Dichte um 10 Prozent, an der Hüfte um 8 Prozent und im Oberschenkelhals um 6.

„Wir können damit den Patientinnen ohne zusätzliche Nebenwirkungen eine schwerwiegende Langzeitfolge der Krebstherapie ersparen. Es ist ein bahnbrechendes Ergebnis, die Eindeutigkeit hat sogar uns überrascht. Unsere Daten müssen jedenfalls Einfluss auf die tägliche Praxis in der Behandlung dieser Brustkrebspatientinnen in der Zukunft haben“, so Michael Gnant.

 

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