Organspende- Skandal: Zeugen erhärten Vorwürfe gegen Göttinger Mediziner


Vor gut einem Jahr wurde bekannt, dass es in Kliniken Manipulationen bei der Organvergabe gegeben haben soll. Nun steht mit dem Chef der Göttinger Transplantationsmedizin der erste Arzt vor Gericht. Der Arzt bestreitet weiterhin die Vorwürfe. Verwaltungsangestellte belasten den Mediziner jetzt aber schwer.

Vor nicht allzu langer Zeit erschüttert der Organspende- Skandal Deutschland. Nun haben Verwaltungsmitarbeiter der Universitätsklinik Göttingen die Vorwürfe gegen den früheren Chef der Transplantationsklinik erhärtet. Ihm wird vorgeworfen, Daten von Patienten verändert zu haben, umso schneller an Spenderorgane zu kommen.

Unter anderem sollen Patienten, die auf eine Spenderleber warteten, bei der zuständigen Vergabestelle Eurotransplant fälschlicherweise auch als dialysepflichtet gemeldet worden sein. Dadurch hätten die Patienten schneller Organe erhalten, als es in den eigentlichen Richtlinien stand.

Wegen elffachen Totschlags angeklagt

Nun sagten die Verwaltungsangestellten vor dem Landgericht in Göttingen aus, dass sie bei entsprechenden Überprüfungen in einer Reihe von Fällen keine Belege für angebliche Dialysen finden konnten.

Dem angeklagten Arzt wird von der Staatsanwaltschaft versuchter elffacher Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Durch seine falschen Angaben hätte er in Kauf genommen, dass Patienten starben, die eigentlich nach den Richtlinien früher ein Spenderorgan erhalten hätten.

Daten aus 2010 und 2011 überprüft

Neben den bekannten Verstößen bei der Vergabe von Spenderlebern in Leipzig, Göttingen, München und Regensburg, hat es nun auch in der Uniklinik Münster schwerwiegende Verstöße gegeben. Das hat die Kommission aus Ärzten, Kliniken und Krankenkassen am heutigen Mittwoch bekannt gegeben.

Die Kommission hatte die Vorgänge bei 24 Leberprogrammen in den Jahren 2010 und 2011 überprüft. Auch die restlichen Organspenderprogramme sollen jetzt überprüft werden. Am Montag der laufenden Woche hatte der Mediziner erneut bestritten Daten manipuliert zu haben. Der Chef der Göttinger Transplantationsmedizin ist der erste Arzt, der Wegen des Transplantationsskandals vor Gericht steht.

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