Vergessenes Operationsmaterial führt in vielen Fällen zum Tode


Patienten erhoffen sich von einer Operation eine Heilung. Was aber, wenn der OP-Tisch zur Todesfalle wird? Mehrere hundert Nadeln, Tupfer und andere Operationsmaterialien werden jedes Jahr nach einer Operation im Körper eines Patienten vergessen. Resultat: Die Patienten sterben.

Jedes Jahr sterben ca. 600 bis 700 Menschen in Deutschland aufgrund vergessener OP-Materialien. Das ist für das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) aber nur ein Beispiel, welchen Risiken ein Patient in einer Klinik oder beim Arzt ausgesetzt ist. Die Vorsitzende der APS, Hedwig François-Kettner, sieht daher „größeren Handlungsbedarf“, damit solche Szenarien nicht zur Tagesordnung werden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) versprach, dass man sich um weitere Verbesserung kümmern werde.

Das als seriös geltende Aktionsbündnis Patientensicherheit beruft sich bei seinen Schätzungen zu den vergessenen OP-Gegenständen auf mehrere Studien und Umfragen. Demnach bleiben bis zu 3000 Tupfer, Bauchtücher, Scheren und ähnliches nach einer Operation im Körper des Patienten. Daher werden von der APS strengere Regeln und bessere Einhaltung bei den Zählkontrollen der OP-Materialien gefordert.

Patientenwohl an zweiter Stelle

François-Kettner kritisierte am deutschen Gesundheitswesen außerdem die fehlende Sorge um das Wohl des Patienten. Oft werden diese zu wenig berücksichtigt und das ökonomische Interesse wird vor das Patientenwohl gestellt.

Das Aktionsbündnis fordert Unterstützung: „Wir müssen erkennen, dass ein gemeinnütziger Verein Grenzen hat“, sagte François-Kettner. Man müsse stärkere Institutionen haben, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Im gemeinnützigen APS sind unter anderem Mediziner, medizinische Gesellschaften, Kliniken und Krankenkassen Mitglied.

Anfang Februar wurde bereits vom Bundesrat eine Erhöhung von Subventionen gefordert. Mit insgesamt 500.000 Euro jährlich sollen die Kassen Einrichtungen fördern, um die Patientensicherheit zu verbessern. Die Bundesregierung wird der Forderung voraussichtlich nicht folgen.

In deutschen Kliniken sterben jedes Jahr mehrere tausend Menschen, da sie sich mit multiresistenten Keimen angesteckt haben. „Jeder nachgewiesene Erreger muss künftig gemeldet werden“, so Minister Gröhe. Damit soll eine Verbesserung der Situation vorangetrieben werden.

Kein Vertrauen in die Behandlung

15 Prozent der Menschen in Deutschland glauben, dass bei ihnen in den letzten zehn Jahren eine fehlerhafte Untersuchung oder Behandlung durchgeführt wurde. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Drei Prozent der Menschen schätzen sogar, dass es mehrmals zu einem Fehler gekommen sein könnte.

Um die Patientensicherheit in der ambulanten Versorgungen zu verbessern, startet die TK im Sommer ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt mit Ärzten in Nürnberg. Das Modell „Arztnetz Qualität und Effizienz“ soll Fehlerquellen ausfindig machen und Sicherheitsroutinen dafür entwickeln.

„Das Pilotprojekt haben wir bewusst in Kooperation mit den Leistungserbringern und unter Beteiligung von Wissenschaftlern konzipiert. Denn wo Menschen arbeiten, passieren Fehler; es kommt darauf an, aus ihnen zu lernen und eine Sicherheitskultur zu entwickeln, die diese Fehler vermeidet – ähnlich wie im Straßenverkehr, wo Autofahrer vor einem Unfallschwerpunkt gewarnt werden oder Tempolimits Unfallrisiken minimieren“, sagte Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK.

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