Studie: Extreme Temperaturen nicht schuld an Todesfällen


Temperaturen forderten 74 Millionen Todesfälle  zwischen 1985 und 2012 in 13 Staaten. Ein britisches Forscherteam stellte nun fest, dass Kälte viel schädlicher für unsere Gesundheit ist als Wärme.

Das Team um Antonio Gasparrini vom Hygiene- und Tropeninstitut in London hat von 384 Standorten rund um den Erdball Daten gesammelt und diese in Verbindung zu einer für jedes Land einzeln berechneten Idealtemperatur gesetzt. Dabei kam heraus, dass Kälte für 20-mal mehr Todesfälle verantwortlich ist als Wärme. Nun haben sie ihre Ergebnisse in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Ergebnisse der Studie

Laut Angaben des Forscherteams handelt es sich hierbei um die bislang größte Studie, die den Zusammenhang zwischen Temperatur und Gesundheit untersuchte.

Untersucht wurden die Temperaturen und die Todesfälle von Australien, Brasilien, Kanada, China, Italien, Japan, Südkorea, Spanien, Schweden, Taiwan, Thailand, dem Vereinigten Königreich (UK) und den USA. Daten aus Deutschland oder Österreich wurden nicht ausgewertet. Es wurden insgesamt 74 225 20 Sterbefälle in verschiedenen Zeiten zwischen 1985 und 2012 analysiert. 7,71 Prozent der Todesfälle sind auf nicht optimale Temperaturen zurückzuführen. Davon entfallen 7,29 Prozent auf Tod durch Kälte und nur 0,42 Prozent auf Tod durch Hitze.

Extreme Temperaturen laut der Studie nicht schuld an der Sterblichkeit

Ist es zu heiß wird vor allem der Kreislauf und das Herz eines Menschen belastet. Ist es hingegen zu kalt, bekommt man Probleme mit den Atemwegen, so die Studie. Außerdem ist die Immunabwehr schwächer. Laut der Studie sind aber nicht extreme Temperaturen, wie eisige Kälte oder große Hitze, schuld an der hohen Sterblichkeit. Die extremen Temperaturen waren lediglich für 0,86 Prozent aller wetterbedingten Todesfälle verantwortlich.

Milde Kälte und Wärme sind schädlicher

Gasparrini erklärte in einer Mitteilung, dass die meisten wetterbedingten Todesfälle, sich an mäßig heißen und vor allem an etwas zu kalten Tagen ereigneten. In Madrid starben die meisten Menschen bei acht Grad. Die Kurve der Statistik schlug bei 25 Grad am zweithöchsten aus. Bei extremeren Temperaturen um null und über 30 Grad flachte die Kurve stark ab. Das bedeutet, dass für Spanien die Idealtemperatur für die Gesundheit bei 22 Grad liegt.

Zweifel an der Studie

In „The Lancet“ wurde ebenfalls der Kommentar von zwei Forschern der Duke Kunshan Universität veröffentlicht, die die Aussagekraft der Studie anzweifeln. Keith Dear und Zhang Wang kritisieren, dass wichtige Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Armut, Reichtum oder die Luftverschmutzung nicht miteinbezogen wurden. Somit könnten an den Todesfällen auch andere Einflüsse Anteil haben.

Gasparrini und seine Mitautoren (Yuming Guo, Masahiro Hashizume, Eric Lavigne, Antonella Zanobetti et. al) sind der Ansicht, dass mit der Studie die öffentlichen Gesundheitssysteme zum Nachdenken gebracht werden sollen. Es sollen demnach nicht nur die extremen Wetterereignisse als Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung angesehen werden.

Erderwärmung Bedrohung für die Gesundheit

Die Ergebnisse des Hygiene- und Tropeninstituts in London stehen in Widerspruch mit den Warnungen von Klimaforschern. Laut den Klimaforschern wird es eine Zunahme von Wetterextremen geben. Im Jahr 2003 gab es bei einer Hitzewelle Zehntausende Sterbefälle in ganz Europa.

Das Forscherteam um Anthony Costello vom Londonder University College prognostizierte bereits vor einigen Jahren, dass die Erderwärmung die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit dieses Jahrhunderts sein wird. Das Team begründet ihre Annahmen damit, dass die Erderwärmung die Ausbreitung neuer Krankheiten wie Malaria, Denguefieber, aber auch Hungersnöte, Wasserknappheit und Unwetterkatastrophen begünstigen würde. Wie Hitze den Menschen zu schaffen macht, zeigte die Hitzewelle des Sommers 2003. Sie forderte bis zu 70.000 Todesopfer in Europa, so die Argumentation der Wissenschaftler weiter.

Wird extreme Hitze zum Normalfall werden?

Laut der neuerlichen Untersuchung einer bereits erschienenen Studie aus dem Jahr 2004 wird es zum Normalfall werden, so das Forscherteam um Nikolaos Christidis vom Met Office Hadley Centre in Exeter (Großbritannien). Die Studie aus dem Jahr 2004 untersuchte den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Hitzewelle im Jahr 2003.

Weitere Analysen brachten hervor, dass um das Jahr 2040 Sommertemperaturen wie im Jahr 2003 gemessen wurden zur Normalität werden. Es wird sogar angenommen, dass gegen Ende des Jahrhunderts diese Temperaturen als kühle Sommer aufgefasst werden. Laut der Studie haben die Einflüsse der Menschen auf das Klima die Häufigkeit extrem heißer Sommer in Europa in den vergangenen zehn bis 15 Jahren vermutlich erheblich beeinflusst.

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