Muttermilch für alle: Frühchen werden dank Milchbanken ernährt


Frühchen sind oft nicht größer als eine Hand, sie wiegen zu wenig und brauchen neben viel Zuwendung auch eine aufwendige medizinische Versorgung. Um den Kleinen einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen, sollten sie mit Muttermilch ernährt werden. Doch nicht alle Mütter sind in der Lage zu stillen. Muttermilchbanken können hier helfen. So wie die im Klinikum Deutschland.

In Deutschland werden jedes Jahr 60 000 Babys zu früh geboren. Die Frühchen müssen dann oft mit industriell hergestellter Nahrung ernährt werden, da ihre Mütter aufgrund der frühen Geburt noch keine Muttermilch produzieren können.

Oft vertragen die Babys diese Milch nicht. Sie leiden an Infektionen, Erbrechen sich oft, nehmen nicht zu und können meist nur durch aufwendige Darmoperationen am Leben erhalten werden.

Zu klein, zu zerbrechlich und untergewichtig

Besonders für Kinder die bei ihrer Geburt weniger als 1 500 Gramm wiegen, ist Muttermilch essentiell für die Entwicklung. Die einzigartige Zusammensetzung der Frauenmilch schützt die Kleinen vor Infektionen und Allergien. Außerdem wird sie einwandfrei vertragen und die Frühchen gewinnen an Gewicht.

„Frühchen unter 1500 Gramm Geburtsgewicht sind besonders auf die Muttermilch angewiesen. Muttermilch von Frühchen-Müttern ist die beste Nahrung für Frühchen.“, erklärt Professor Dr. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Dortmund.

Muttermilch ist einzigartig in ihrer Zusammensetzung

Lange Zeit gingen Experten davon aus, dass die industriell hergestellte Muttermilch dieselbe Wirkung hat, wie natürliche. Neuere Studien widersprechen dieser Annahme jedoch. Die genaue Zusammensetzung der Muttermilch konnte bis jetzt nicht festgestellt werden. Sicher ist nur, dass sie aus mehr als 300 verschiedenen Substanzen besteht. Deshalb kann sie auch nicht künstlich nachgemacht werden.

Milchbank für Frühchen in Dortmund

Damit Mütter von Frühchen nicht mehr auf die industriell hergestellte Milch angewiesen sind, wenn sie selbst noch keine Milch produzieren können, werden immer mehr Milchbanken in den Krankenhäusern eingerichtet. Damit kehrt man sozusagen zu einer alten Tradition zurück.

Bis in die 1970er Jahre waren Milchbanken in West- wie Ostdeutschland weit verbreitet. Mit der Einführung der künstlich hergestellten Muttermilch wurden viele von ihnen nach und nach geschlossen. Die Aufbereitung und Lagerung war im Vergleich zur synthetischen Nahrung zu teuer.

Auch das Klinikum Dortmund macht nun diesen Schritt, wie in einer Aussendung bekannt gemacht wird. Die Milch dort kommt ausschließlich von Frauen, die im Perinatalzentrum der Klinik entbunden haben. Gespendet wird freiwillig von Müttern, die mehr Milch produzieren, als ihr eigenes Kind benötigt.

Muttermilch wird genauestens untersucht

Die gespendete Milch wird eingehend untersucht. Es wird auch nur Milch von gesunden Müttern angenommen. Die Milch wird auf HIV, Hepatitis und Zytomegalie, eine Infektionskrankheit die vor allem bei Neugeborenen auftritt, getestet.  Außerdem dürfen die Spenderinnen keinen Alkohol trinken, nicht Rauchen und auch keine Medikamente nehmen. Beim Abpumpen der Muttermilch werden strenge Hygieneregeln eingehalten.

Gespendete Milch generell für jedes Frühchen geeignet

Ähnlich wie bei einer Blutspende. Mit dem Unterschied, dass fremde Muttermilch grundsätzlich für jedes fremde Frühchen geeignet ist und nicht nach bestimmten Gruppen unterschieden werden müsse, erläutert Dr. Schneider.

In der Küche der Milchbank wird die Milch nach der Untersuchung pasteurisiert und eingefroren. „Wir achten sehr akribisch darauf, dass die Mütter gesund sind, sich gesund ernähren, und dass die Milch hygienisch einwandfrei ist. Deshalb nehmen wir auch keine Milchspenden an, die von außerhalb des Klinikums an uns herangetragen werden“, sagt Dr. Schneider.

Muttermilch aus dem Internet?

Die gespendete Milch wird auch nur für die Frühchen verwendet, da sie den größten Nutzen aus der Muttermilch ziehen. Jährlich werden zwischen 80 und 100 Liter benötigt. Damit ernährt man die 120 Frühchen, die durchschnittlich im Jahr im Dortmunder Klinikum geboren werden. Besonders am Anfang brauchen die Winzlinge nämlich nur wenige Milliliter Milch am Tag.

Mittlerweile kann Muttermilch auch über das Internet gekauft werden. Die Experten raten davor aber dringendst ab. Die Anbieter könnten nicht garantieren, dass die Milch frei von Bakterien oder Viren sei. Und gerade Frühchen sind mit ihrem noch nicht entwickelten Immunsystem und sehr sensiblen Magen-Darmtrakt besonders anfällig für Infektionen.

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