Schlimmer als Missbrauch: Mobbing in der Kindheit führt zu langfristigen psychischen Problemen


Wie folgenschwer kann Mobbing sein? Eine neue Studie zeigt, dass die Langzeit-Auswirkung auf die psychische Gesundheit sogar noch negativer sein könnte als durch Kindesmissbrauch.

Die Studie unter der Leitung von Professor Dieter Wolke ist die erste dieser Art, die die Auswirkungen von Misshandlungen durch Erwachsene direkt mit Mobbing durch Gleichaltrige vergleicht und mögliche Effekte auf die mentale Gesundheit (wie Angst, Depressionen, Autoaggression, suizidale Tendenzen) im jungen Erwachsenenalter untersucht.

Die Studie wurde im The Lancet Psychiatry Journal publiziert basiert auf zwei langfristigen Forschungsprojekten in England und in den USA. In England untersuchte die Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) ungefähr 4.000 Kinder. In North Carolina wurden mehr als 1.200 Kinder in die Great Smoky Mountains Studie aufgenommen.

Unter den Befragten waren 30 % der Kinder in England und 16 % in North Carolina schikaniert worden. In England waren 8 % und in den USA 15 % Opfer von Kindesmissbrauch geworden. Schließlich hatten 10 % der amerikanischen und 7 % der englischen Kinder sowohl Kindesmissbrauch als auch Mobbing erlebt.

Überraschendes Ergebnis

Bei der Analyse der beiden Studien (unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren wie Geschlecht und sozioökonomischem Status) fanden die Forscher heraus, dass die amerikanischen Kinder, die misshandelt worden waren, ein erhöhtes Risiko für spätere psychische Probleme haben.

Überraschend war jedoch, dass in beiden Gruppen mentale Gesundheitsprobleme signifikant wahrscheinlicher für jene Kinder waren, die durch Gleichaltrige schikaniert wurden, als für Opfer von Kindesmissbrauch. Sowohl in England wie in den USA wiesen Kinder, die schikaniert wurden, eine höhere Anfälligkeit für Depressionen, Angstzustände und andere Arten von psychischen Störungen auf. Die Forscher schließen daraus, dass möglicherweise die schädlichen Auswirkungen von Mobbing auf lange Sicht viel schlimmer sein können als durch Misshandlung.

Mobbing ernst nehmen

Weltweit gibt eines von drei Kindern an, schikaniert zu werden. Mobbing kann ähnliche oder schlimmere Folgen auf die spätere psychische Gesundheit haben als Missbrauch. Professor Wolke fordert daher mehr Aufmerksamkeit für dieses Problem. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Eltern, Lehrer und Ärzte zu mehr Wachsamkeit aufgerufen sind.

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