Mammografie als Lebensretter überbewertet


Nach neuesten Erkenntnissen wird die Effizienz der Mammografie überschätzt. Bei den bisherigen Studien aus Schweden seien grobe statistische Fehler gemacht worden, erklären jetzt Wissenschaftler.

Laut dem Statistischen Bundesamt starben 2013 in Deutschland 18 000 Frauen an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs eine der häufigsten Krebstodesursachen bei Frauen. Mit dem 2005 eingeführten Mammographie-Screening-Programm sollte die Früherkennung gefördert und die Zahl der an Folgen von Brustkrebs Gestorbenen reduziert werden.

Nutzen der Mammografie wurde in Studienergebnissen überschätzt

Die Zahl der Brustkrebs-Sterbefälle hat sich zwischen 2005 und 2013 aber kaum verändert, wie das Statistische Bundesamt im Jänner 2015 berichtete. Der Nutzen des Mammografie-Screenings dürfte wohl doch nicht so groß sein, wie zuvor angenommen.

Woran das liegen könnte haben nun Forscher aus Großbritannien und Frankreich rund um Dr. Philippe Autier herausgefunden. Die Brustkrebs-Screening Programme vieler Länder basieren auf Ergebnissen von schwedischen Untersuchungen. Die Hauptaussage der im Journal of the Royal Society of Medicine veröffentlichten Studie ist, dass diese Ergebnisse schlichtweg falsch seien.

Was bringt eine Mammografie-Untersuchung?

In Deutschland wird jeder Frau zwischen 50 und 69 Jahren empfohlen, einmal im Jahr zu einer Mammografie-Untersuchung zu gehen. Auch jüngere Frauen, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, sollte diese Untersuchung wahrnehmen. Die Kosten werden von der jeweiligen Krankenkasse übernommen.

Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die in Deutschland für das Screening-Programm verantwortlich ist, beschreibt die Vorteile des regelmäßigen Screenings folgendermaßen:

Bei Frauen, die am Screening teilnehmen, kann Brustkrebs früher erkannt werden als bei Frauen, die nicht teilnehmen. Dadurch kann ein Anteil der Teilnehmerinnen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes könnte in Deutschland das Leben von rund 2.000 Frauen pro Jahr gerettet werden.

 

Frauen, bei denen Brustkrebs früh erkannt wird, können oft schonender behandelt werden. Eine Chemotherapie ist seltener nötig und die Brust kann bei einer Operation oft erhalten werden.

 

Lage, Größe und Ausmaß des Brustkrebses sind in der Regel bereits vor der Operation bekannt. Das ist ein großer Vorteil für brustkrebserkrankte Frauen, da Operation und Anschlusstherapie so schon vor dem Eingriff geplant und in gemeinsamer Absprache zwischen den behandelnden Ärztinnen und Ärzten individuell auf die Frau abgestimmt werden können.

Damit erklären sie auch gleichzeitig das Ziel des Screening-Programms: nämlich, dass durch die Früherkennung mehr Frauen rechtzeitig eine entsprechende Behandlung bekommen und somit mehr Frauen die Brustkrebs-Erkrankung überleben. Soweit die Theorie. Doch in der Praxis ist der Rückgang der Todesfälle durch Brustkrebs verschwindend gering.

Erwartungen wurden nicht erfüllt

Kritiker erklären das damit, dass die vielen Untersuchungen zu Überdiagnosen führen. Es werden schlicht mehr kleine Tumore diagnostiziert und behandelt, die möglicherweise aber nicht zu Krebs geführt hätten. Bestätigung findet diese Kritik auch in der Studie von Dr. Philippe Autier und seinen Kollegen.

Sie durchleuchteten die Ergebnisse der in den 1960er- und 1070er-Jahren in Schweden durchgeführten Tests genauer. Damals wurde festgestellt, dass Mammografie-Untersuchungen die Sterberate bei Brustkrebs um 20 bis 25 Prozent senken können. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte 2002, dass durch regelmäßiges Mammografie-Screening die Sterblichkeitsrate aufgrund von Brustkrebs gesenkt werden kann. Man erwartete sich einen deutlichen Unterschied in den Raten von Ländern, die das Screening bereits in den 1980er-Jahren einführten und Ländern, die dies später taten.

Grobe statistische Fehler bei schwedischen Studien

„Im Gegensatz zu den Erwartungen zeigten verschiedene Studien in Europa, Nordamerika und Australien, dass die Diagnosen von fortgeschrittenem Brustkrebs in Ländern, in denen die meisten Frauen regelmäßig an Mammografie-Screenings teilnehmen, nicht zurückgegangen sind.“, erklärt Dr. Philippe Autier. Sie zeigten demnach keine Unterschiede im Rückgang der Sterblichkeitsrate in Ländern, die die Screenings bereits 1980 eingeführt oder jenen Ländern, die zehn bis 20 Jahre später damit angefangen hätten.

Die Wissenschaftler sprechen von unkonventionellen statistischen Methoden, die in Schweden damals angewendet worden seien. Sie unterscheiden sich stark von den üblichen Methoden bei Krebsuntersuchungs-Studien. „Die Welt“ berichtet es seien etwa Brustkrebstode von Frauen, die überhaupt keine Mammografien gemacht hätten, sondern in der anderen Kontrollgruppe waren, nach Ende der Studiendauer in die Ergebnisse miteingerechnet worden.

Die Forscher schätzen, dass die tatsächliche Reduktion der Sterblichkeitsrate durch Mammografie-Untersuchung weitaus kleiner ist, als die vorher angenommenen 20 bis 25 Prozent. Sie liege nach den Neuberechnungen eher unter 10 Prozent.

Die Wissenschaftler kommen also zu dem Schluss, dass Mammografie-Screenings eine sinnvolle Untersuchung sind, die die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs durchaus senken. Nur eben nicht in so hohem Ausmaß, wie bisher angenommen wurde.

Ein Kommentar
  1. cbd1eca8@opayq.com'

    Harry

    16. Juli 2015 at 05:09

    Die medizinische Wissenschaft weiss ja schon lange diese Tatsache: bessere Früherkennung von Brustkrebs (oder erhöhte Überlebenschancen/grössere Heilungschancen) bedeutet nicht weniger Todesfälle von Brustkrebs. So die positive Andeutung mit besserer Früherkennung ist medizinische Propaganda.

    Die echten Fakten über Brustkrebs und Mammografie (Bruströntgen) haben schon lange gezeigt, dass die Früherkennung von „Krebsen“ mit Präventionsmaßnahmen (Beispiel: Mammografie) in vielen Fällen wegen Überdiagnosen falsch ist, aber ganz viele Frauen trotzdem behandelt werden. Das Ergebnis is, dass Millionen von Frauen missbehandelt und umgebracht worden sind wegen diesen „fortgeschrittenen“ Untersuchungen und medizinischen Behandlungen (Quellen: Peter Gotzsche’s ‚Mammography Screening: Truth, Lies and Controversy‘ and Rolf Hefti’s ‚The Mammogram Myth‘).

    Jeder der dieses Thema ein wenig genauer anguckt, kann sehen, dass es fast ausschliesslich fabrizierte Statistiken und „wissenschaftliche“ Daten/Evidenz vom medizinischen Riesengeschäft sind, die diese Tests unterstützen.

    Das riesige medizinische Krebsgeschäft hat schon jahrzehntelang das Volk angelogen mit falschen Statistiken. Dieses riesengrosse Geschäft sagt den Leuten wie unglaublich „forgeschritten“ ihre Präventionsmaßnahmen, Untersuchungen und Behandlungen sind, aber verschweigt den grossen Schaden, den sie wirklich anrichten. Es ist fast alles Lüge.

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