Telekardiologie lässt Ärzte schneller handeln


Telekardiologie heißt der neue Weg, der es dem Arzt erlaubt, fortlaufend den Gesundheitszustand seiner Patienten im Blick zu haben. Durch das sogenannte „Home Monitoring“ sind Ärzte in der Lage schneller zu reagieren und Patienten mit einem Herzschrittmacher oder Defibrillator besser zu überwachen. Damit wurde eine effektive Prävention geschaffen, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. 

 

Beim 20. Expertentreffen für Herzrhythmustherapie in Krems stellten Spezialisten fest, dass die wissenschaftlichen Daten dafür sprechen, dass man Patienten telemedizinisch betreut. Somit werden den Patienten die Fahrten in die Klinik erspart und zudem hat der Arzt die Herzwerte des Leidenden ständig im Blick.

„Mithilfe von Home Monitoring wird der Arzt frühzeitig über klinisch relevante Ereignisse informiert und kann so rechtzeitig die Therapie anpassen. Die Behandlung orientiert sich damit am individuellen Bedarf des Patienten. Insbesondere kann die Telemedizin unnötige Routinekontrollen vermeiden“, so Franz Xaver Roithinger, Vorsitzender der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Wie funktioniert die Überwachung?

Über eine integrierte Antenne, die im Implantat eingebaut ist, werden die Daten des Herzschrittmachers oder Defibrillator zeit- und ereignisgesteuert an ein mobilfunkfähiges Gerät (GSM oder GPRS) geleitet. Damit ist die Herzaktivität des Patienten ständig überwacht.

Danach werden die Daten über das Endgerät an ein zentrales Rechenzentrum weitergesendet. Dort werden sie ausgewertet und analysiert und stehen dann dem Arzt innerhalb von 24 Stunden auf einer geschützten Internetseite zur Verfügung. Damit sieht der Arzt Ereignisse, wie Rhythmusstörungen und Systemanomalien, sofort und nicht erst bei der nächsten Untersuchung. Sollte es Unregelmäßigkeiten geben, hat der behandelnde Arzt die Chance den Patienten umgehend zu kontaktieren.

Laut einer französischen Studie (ECOST) kann man durch diese Fernversorgung mehr als 300 Euro pro Patient und Jahr einsparen. Der Patient muss weniger oft ins Krankenhaus, um Routinekontrollen durchzuführen. Des Weiteren können akute Probleme schneller abgewendet werden.

Rechtzeitige Früherkennung

Die telekardiologische Fernnachsorge helfe auch, dass man unvorhersehbare oder asymptomatische Veränderungen rechtzeitig erkennt und damit dem Patienten schneller zu Hilfe kommt, so Andrea Podczeck-Schweighofer, Chefin der 5. Medizinischen Abteilung des SMZ Süd in Wien und Michael Nürnberg vom Wilhelminenspital Wien. Sie sehen einen großen klinischen Nutzen in „Home Monitoring“.

„Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz stellen komplexe Krankheitsbilder dar, die von Patient zu Patient unterschiedlich verlaufen und in ihrer Entwicklung nur schwer vorhersehbar sind. Einige Rhythmusstörungen, wie etwa das Vorhofflimmern, können auch längere Zeit unbemerkt verlaufen, der Patient verspürt keine Symptome. Daher ist eine engmaschige Beobachtung des Gesundheitszustandes des Patienten sehr wichtig für den Behandlungserfolg“, sagte Andrea Podczeck-Schweighofer.

Studien bestätigen Nutzen

Die Technik hat große Vorteile. In Österreich leben über 50.000 Menschen mit einem Herzschrittmacher. Jedes Jahr werden weitere 8.200 implantiert und dazu kommen noch 2.200 Kardioverter-Defis. Das heißt, dass man jedes Jahr 79.000 Nachsorgeuntersuchungen durchführen muss, die größtenteils in Krankenhäusern durchgeführt werden. Mit der telemedizinischen Nachversorgung könnten diese Routinuntersuchungen minimiert werden, da die Herzaktivitäten über das „Home Monitoring“ das ganze Jahr kontrolliert werden.

In der Fachzeitschrift „Circulation“ wurde 2010 die Trust-Studie veröffentlicht. Diese Studie zeigte, dass man bei 1339 Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher die Ambulanzbesuche um 45 Prozent reduzieren konnte, da sie durch das „Home Monitoring“ bestens überwacht wurden. Zwei andere Studien ergaben, dass man neu auftretende Herzrhythmusstörungen mit der telemedizinischen Überwachung bereits ein Monat früher erkennen konnte bzw. erkennbar machte.

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