Wenn das Studium zu einer psychischen Störung führt


Student sein ist nicht einfach. Viele Außenstehende glauben, dass man während seiner Studienzeit sich nur auf Festen herumtreibt und bis Mittag schläft. Jedoch sieht das Studentenleben oft anders aus, als wie man es aus dem Fernsehen kennt. Der Gesundheitsreport 2015 der Techniker Krankenkasse zeigt, dass die Zahl der psychischen Störungen unter Studierenden um fünf Prozent zugenommen haben. Grund dafür: Dauerstress.

Früh am Morgen beginnen die Vorlesungen, Seminare mit Anwesenheitspflicht und oft dauern die Kurse bis zum späten Abend. Danach wird bis in die Morgenstunden gelernt, um alles unter einen Hut zu bringen, die Abgabenfristen einzuhalten und die Prüfungen positiv zu absolvieren. In längeren Pausen, die man zwischen den Kursen oder am Wochenende hat, arbeiten viele Studenten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Dieser Dauerstress, der über Wochen und Monate anhält, hat dazu geführt, dass mehr als jeder fünfte Student einmal im Jahr an einer psychischen Störung leidet. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2015 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Für den Bericht wurden die Gesundheitsdaten von ca. 200.000 Studenten analysiert, die bei der TK versichert sind. Gegenüber der letzten Untersuchung aus dem Jahre 2009 stieg der Anteil der angehenden Akademiker mit psychischen Problemen um fast fünf Prozent an.

Weibliche Studierende stärker betroffen

Die Zahlen seien erschreckend, sagte Jens Bass, TK-Vorstandschef, am Mittwoch bei der Präsentation der Daten. Aus dem Gesundheitsreport geht hervor, dass weibliche Studierende stärker von psychischen Problemen betroffen sind als ihre männlichen Kommilitonen. Laut den erhobenen Daten wird bei drei von zehn Studentinnen mindestens einmal pro Jahr eine psychische Störung festgestellt. Mit 15 Prozent ist die Rate bei den männlichen Studenten nur halb so hoch.

Studierende nehmen Hilfe in Anspruch

Depressionen, Anpassungs-, Belastungs- und Angststörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden. Ca. 4,3 Prozent der Studierenden nehmen die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch. Knapp vier Prozent (3,85 %) bekommen laut der Auswertung Antidepressiva verschrieben. Das sind 43,4 % mehr wie noch im Jahr 2006.

Je älter man wird desto höher wird die Belastung. Bis 26 bekämen die Studenten und Studentinnen seltener Antidepressiva verschrieben als Berufstätige im selben Alter, erklärte der Studienautor Thomas Grobe. „Dann steigt das Volumen bei den Hochschülern deutlich stärker und ab 32 bekommen Studierende beider Geschlechter etwa doppelt so viel verschrieben wie die Erwerbspersonen.“

Stress nimmt Überhand

Für den TK-Vorstandschef Baas sei es beunruhigend, dass viele Studierende mit dem Stress alleine nicht mehr fertig werden. Im Auftrag der TK wurde eine zusätzliche Umfrage (TK-CampusKompass ) unter 1.000 Hochschülern in Deutschland durchgeführt. Diese ergab, dass 44 Prozent der Jungakademiker sich durch Stress erschöpft fühlen.

Die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Studierenden sind dabei groß. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Studentinnen beklagten stressbedingte Erschöpfung. Bei den männlichen Mitstudenten gab ca. jeder Dritter an, dass er sich durch den Stress erschöpft fühlt. Die Auslöser dafür sind vielseitig. Laut den befragten Studenten gehören folgende Gründe zu den bedeutendsten Auslösern: die Prüfungen (52 Prozent), der schwere und umfangreiche Lernstoff (28 Prozent), die Mehrfachbelastung durch Studium und Job (26 Prozent), die Angst vor schlechten Noten (26 Prozent) oder keinen Job zu finden (23 Prozent)

„Die Stressfaktoren unterscheiden sich gar nicht so sehr von denen früherer Generationen. Aber das Abschalten fällt der Generation Smartphone schwerer“, so Baas. Es würde ihnen schwerer fallen, sich zu konzentrieren, wenn die Ablenkung via Notebook allgegenwärtig ist. Die Umfrage ergab, dass sich jeder zweite von digitalen Medien ablenken lässt, wenn eigentlich gelernt werden soll.

Richtige Balance ist wichtig

Baas glaubt, dass es den Studierenden von heute schwerfalle, die richtige Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden. Es sei jedoch extrem wichtig, dass man weiß, wie man in Stresssituationen Höchstleistungen abruft und in Ruhephasen entspannt. Viele Studierende entspannen auf die falsche Art und Weise. Ca. ein Drittel der Frauen und sogar 43 Prozent der Männer bevorzugen den Alkohol, um den Stress weg zutrinken. Im Allgemeinen zeigt sich, dass die männlichen Kommilitonen eher auf ungesündere Weise relaxen. Sie greifen eher zu Zigaretten, Cannabis und Aufputschmittel als Studentinnen. „Deshalb sollten die angehenden Akademiker lernen, wie der eigene Körper entspannt und regeneriert“, sagte Baas.

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