Berlin: Ärzte dürfen sich nicht mehr in besseren Wohngegenden niederlasen


In Berlin dürfen niedergelassene Ärzte nicht mehr in Gegenden mit guten Sozialindex ziehen. Dies beschlossen die Kassenärztliche Vereinigung, der Gesundheitssenat von Berlin und die Krankenkassen. Grund für diese Entscheidung ist die schlechte Verteilung von Ärzten in Berlin.

Arztpraxen siedeln sich in letzter Zeit immer wieder in besseren Gegenden an. Doch die Senatsgesundheitsverwaltung von Berlin, die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen haben sich nun darauf verständigt, das Mediziner ihre Praxen nur noch in die Stadtgebiete verlegen dürfen, die schlechter medizinisch versorgt sind.

50 zu 160 Prozent

In den letzten Jahren zogen jährlich etwa 80 Ärzte in Berlin um, allerdings in wohlhabendere Gegenden. Doch geht es nach dem Willen des Senats soll das Prinzip jetzt umgekehrt werden. So könnte sich ein Hausarzt aus Pankow ohne größere Probleme in Neukölln niederlassen, wo der medizinische Versorgungsgrad deutlich unter 50 Prozent liegt.

Damit steht der Stadtteil Berlin- Neukölln am schlechtesten dar. Ein Umzug nach Charlottenburg- Wilmersdorf dürfte den Medizinern allerdings verwehrt belieben, weil die Versorgungsdichte hier bereits 160 Prozent beträgt.

9000 niedergelassene Ärzte in Berlin

Zwar ist die deutsche Bundeshauptstadt mit 9000 niedergelassenen Medizinern und Physiotherapeuten die am besten ausgestattete Region Deutschlands. Doch die Anzahl ist nicht das Problem, sondern viel mehr die Verteilung, so die Leiterin des Landesverbandes der Ersatzkassen Gabriella Leyh.

Durch den neuen Beschluss besteht nun das Risiko, dass weniger Mediziner umziehen, weil sie nicht in sozial schwierigen Gegenden arbeiten möchten. Doch der Senat sieht sich gezwungen zu diesem Schritt, weil anders keine gerechte Verteilung der Mediziner in Berlin zu gewährleisten ist.

Sichtbare Ergebnisse bis 2015

Neue Ärzte wird es in Berlin auch nicht geben, wegen des derzeitigen Zulassungsstopps. Ärzte die sich in den Ruhestand begeben, würden ihre Praxis meist vergeben oder in einer Gemeinschaftspraxis an den Mitinhaber übergeben.

Natürlich nehmen dies die Berliner Mediziner nicht einfach so hin. So soll es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung bereits Klagen gegen diesen neuen Beschluss geben. Die Kassenärztliche Vereinigung ist allerdings zuversichtlich, dass sie bis zum Jahr 2015 erst sichtbare Ergebnisse erzielt haben wird.

Weitere Neuerungen 2015

Eine weitere Neuerung soll es dann im Jahr 2015 geben. Ärmere Gegenden von Berlin sollen mehr Kinder- und Hausärzte bekommen. Derzeit werden bei der Berechnung des Versorgungsgrades die Einwohnerzahlen und der Altersdurchschnitt berücksichtigt, ab 2015 kommen dann auch die Faktoren Arbeitslosigkeit und Wohnlage hinzu.

Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und sozialer Lage wurde schon des Öfteren in Studien belegt. So werden Menschen in sozial schwächeren Gegenden häufiger krank. Doch gerade in diesen Gegenden herrsche Ärztemangel. In Gegenden mit guten Sozialindex gibt es zwar mehr Ärzte aber weniger Patienten.

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