Zahnbehandlungsphobie ist behandelbar


Schwitzige Hände, Atemnot, Übelkeit und der Drang weg zu laufen. Ein Zahnarztbesuch ist selten angenehm, für manche aber eine unvorstellbare Tortur. Reagiert man aber bereits beim Gedanken an den Besuch mit Panik, Schweißausbruch und Angst, dann spricht man von Zahnbehandlungsphobie.

Schätzungen zufolge leiden ungefähr 10 Prozent der Erwachsenen in europäischen Industriestaaten an einer Zahnbehandlungsphobie. Seit 1997 ist die, auch Dentalphobie genannte, Angst vor dem Zahnarztbesuch eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte psychosomatische Erkrankung. Die Ursachen der Phobie sind noch nicht vollkommen geklärt. Dafür hat man bereits Methoden entwickelt, mithilfe derer die Angst überwunden werden kann.

Vermeiden des Zahnarztbesuchs meist über Jahre hinweg

Dabei ist es völlig irrelevant, ob es sich bei dem Besuch um eine einfache Routineuntersuchung handelt oder ob der viel gefürchtete Bohrer zum Einsatz kommt. „Rund 70 Prozent der Bevölkerung ist es mulmig beim Zahnarzt“, erklärt Zahnarzt Mats Mehrstedt im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur (dpa). Die Dentalphobie kann soweit gehen, dass sich Menschen überhaupt nicht mehr zum Zahnarzt trauen. Betroffene meiden die Behandlung oft über Jahre hinweg. Mit fatalen Folgen. In Extremfällen schlucken sie haufenweise Schmerztabletten und sehen ihren Zähnen regelrecht beim Verfaulen  zu.

Ein Grund dafür ist, dass Betroffene und ihre Angst oft nicht ernstgenommen werden. So können vom Zahnarzt abwertende Kommentare kommen oder es wird zu geringes Einfühlungsvermögen an den Tag gelegt. Ein weiterer Auslöser ist, dass sie sich für ihre Phobie schämen. Doch mit den richtigen Methoden, kann auch diese Angst überwunden werden. Dazu muss man sich der Ursache der Angst vor der Zahnbehandlung bewusst sein, den richtigen Zahnarzt finden und die geeignete Methode.

Schlechte Erfahrungen und Kontrollverlust als Ursachen

Woher kommt also die Angst? Die häufigste Ursache für Dentalphobie bei Erwachsenen sind traumatische Zahnarzterlebnisse in der Kindheit. Mehrstedt erläutert, dass es bis Ende der 1980er Jahre nicht üblich war, Kinder bei der Behandlung zu betäuben. Diese Menschen sind mit der Erinnerung aufgewachsen, dass der Zahnarztbesuch Schmerzen verursacht. Und ein natürlicher Instinkt lässt den Menschen Schmerzen meiden. Bei manchen wurde die Angst vor einer Zahnbehandlung auch von den Eltern oder dem Umfeld übertragen, wenn von schlechten Erfahrungen erzählt worden ist.

Der Kontrollverlust macht auch vielen zu schaffen. Ist der Zahnarztstuhl erst einmal in der Liegeposition, hat man das Gefühl nicht mehr flüchten zu können und dem Arzt ausgeliefert zu sein. Ein weiterer gefühlter Kontrollverlust ist, nicht zu sehen was genau der Zahnarzt im Mund macht. Viele Zahnärzte erläutern deshalb bereits jeden Schritt den sie während der Behandlung ausführen. Doch es gibt noch weitere Angebote die Betroffene in Anspruch nehmen können.

Hypnose und Verhaltenstherapie helfen bei Zahnbehandlungsphobie

Dentalphobie ist kein unumkehrbarer Schlag des Schicksals, sondern durchaus heilbar. Viele Zahnärzte haben sich bereits darauf spezialisiert besonders Angspatienten zu behandeln. Die Methoden reichen von Akkupunktur und Hypnose, bis zu Spritzen oder einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt.

Am einfachsten ist es mit dem Zahnarzt Handzeichen auszumachen. Damit kann der Patient anzeigen, wann er die Behandlung unterbrechen möchte. Das gibt ihm die Kontrolle zurück. Dafür braucht es allerdings einen verständnisvollen Arzt, mit dem man zuvor über die Angst gesprochen hat. Auch kann man jederzeit eine Spritze zur Betäubung verlangen. Patienten sollten keine Scheu haben, auch Ansprüche zu stellen, ist sich Merhstedt sicher. Ist die Angst wirklich so ausgeprägt, dass eine normale Behandlung überhaupt nicht möglich ist, kann durchaus eine Vollnarkose gefordert werden.

Erfolg brachte für Betroffene auch eine Hypnosetherapie. Thomas Wolf vom Freien Verband Deutscher Zahnärzte erklärt gegenüber der dpa wie das funktioniert: „Dies ist eine gesteigerte, fokussierte Aufmerksamkeit.“ Dazu nennt der Betroffene einen Ort an dem er sich besonders wohfühlt und einige Stichworte, die er damit verbindet. Während und vor der Behandlung stellt sich der Patient diesen Ort intensiv vor und der Zahnarzt nennt imnmer wieder die dazugehörenden Stichworte. Das hilft weniger Schmerzen wahrzunehmen und durch die beruhigende Wirkung verhindert man eine Panikattacke.

Eine Alternative zur Angst ist auch eine Verhaltenstherapie. Diese wird des Öfteren auch von der Krankenkasse finanziert und hat eine etwa 70 prozentige Erfolgsquote. Dort erlernt man Strategien, um die eigene Angst zu beherrschen.

Richtiger Zahnarzt ausschlaggebend

Einen Zahnarzt zu finden, der damit umgehen kann, ist nicht einfach. Während ihrer Ausbildung erhalten Zahnärzte keine psychologischen Schulungen. „Wir Zahnärzte sind im Prinzip Handwerker. Nur wenige haben ein Gespür dafür, wie es dem Patienten geht und wählen ihre Worte so, dass sich die körperlichen Reaktionen beruhigen.“, erläutert Zahnarzt Michael Leu. Er gründete die Deutsche Gesellschaft für Zahnbehandlungsphobie (DGZP). Er hat ein Netzwerk von Zahnärzten aufgebaut, die sich auf die Betreuung von Patienten mit Zahnbehandlungsphobie spezialisiert haben. Laut DGZB leiden in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen unter einer Zahnbehandlungsphobie.

Mithilfe eines einfühlsamen Arztes und der richtigen Behandlung kann die Phobie überwunden werden. Betroffene sollten die Hilfe annehmen, damit ihnen starke Schmerzen erspart und die Zähne erhalten bleiben.

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