Chronischer Juckreiz: Zahl der Betroffenen nimmt zu


Laut einer Meldung der dpa teilte die Uniklinik Münster die Ergebnisse einer neuen Studie zum Thema Juckreiz mit und diese wurden im Rahmen einer Juckreiz-Tagung vorgestellt.  Demnach ist in Deutschland bereits jeder vierte Erwachsene von chronischem Juckreiz betroffen. Die Ursachen seien oft Eisenmangel oder Stoffwechselstörungen.

Enormer Leidensdruck durch Juckreiz

Menschen, die von chronischem Juckreiz betroffen sind, sind einem enormen Leidensdruck ausgesetzt. Nachts schlafen sie häufig nicht mehr richtig, weil sie vom lästigen Jucken geweckt werden. Tagsüber sind sie dann entsprechend unkonzentriert, was auch die Leistungsfähigkeit mindert.

Schliesslich werden manche derBetroffenen sogar depressiv, gereizt und hoffnungslos, was mitunter bishin zu Suizidgedanken führen kann.

Juckreiz, der mehr als sechs Wochen lang anhält, heißt in der Fachsprache Pruritus. Dieser galt lange als eine Unterart von Schmerzen, da die Signalwege von Schmerz und chronischem Juckreiz verflochten sind.

Im Jahr 2013 veröffentlichten Forscher an der Washington University in St. Luis einen Artikel im „Journal of Clinical Investigation, in dem sie mittels Versuchen an Mäusen bestätigten, dass bei chronischem Juckreiz zahlreiche Nerven zu Juckreiz-Nerven würden. Dazu gehörten auch Nerven, die normalerweise Schmerzsignale übertragen.

Zahl der Betroffenen steigt jährlich um sieben Prozent

Experten teilten auf einer Juckreiz-Tagung mit, dass in Deutschland zwischen 13 und 26 Prozent der Erwachsenen von chronischem Juckreiz betroffen sind. Die Ergebnisse einer Studie der Universität Münster besagen zudem, dass sich die Zahl der Betroffenen zudem jährlich um rund sieben Prozent erhöht.

Die Zahl der Erkrankungen variiere dabei in den verschiedenen Altersgruppen. Mit zunehmendem Alter steige die Zahl der Betroffenen. Aber auch Kinder können schon betroffen sein. Meist sei der Juckreiz hier laut Sonja Ständer eine Folge von chronischen Hauterkrankungen mit Ekzembildung, wie zum Beispiel Neurodermitis.

In sehr seltenen Fällen fehlten den Kindern aber auch Gallengänge, so dass es durch den Gallestau in der Leber zu Juckreiz komme.

Ursachen meist Eisenmangel oder Stoffwechselstörungen

Chronischer Juckreiz, medizinisch mit dem Fachbegriff Pruritus bezeichnet, hat zu Beginn körperliche Ursachen wie Eisenmangel, Diabetes oder eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse.

Sonja Ständer, Leiterin des Kompetenzzentrums Chronischer Pruritus in Münster erklärte: „Wenn die auslösende Erkrankung, zum Beispiel der Leber, erfolgreich behandelt wurde, verselbstständigt sich der Juckreiz, wird chronisch und zur Tortur.“

Die Gründe dafür liegen aber noch weitgehend im Dunkeln. Juckender Hautausschlag, juckende Kopfhaut oder Afterjucken sei laut Ständer bei 15 Prozent der Betroffenen besonders schlimm.

Diese Patienten hätten ein noch stärkeres Juckempfinden und kratzten sich daher noch intensiver.

Alleine in Münster derzeit 600 Menschen in Behandlung

In Deutschland existieren bundesweit sechs Pruritus-Ambulanzen an Universitätskliniken, alleine in Münster werden derzeit 600 unter Juckreiz leidende Menschen behandelt.

Da Juckreiz für immer mehr Menschen eine Belastung wird, tagte das Pruritussymposium in Münster nun auch zusammen mit Experten für psychosomatische Dermatologie, um mögliche psychosomatische Auslöser für chronischen Juckreiz zu beleuchten und besser verstehen zu können.

Ständiges Kratzen kann zu Verschlimmerung führen

In einem Bericht von Spiegel ONLINE weist Sonja Ständer darauf hin, dass Kratzen bei Juckreiz eine normale Reaktion sei, dies aber ungewollte Folgen hervorrufen könne. Der Juckreiz würde zwar nachlassen, weil Schmerzneurone, die die Juck-Neurone kontrollierten, unterbinden, dass Juckreiz dem Gehirn gemeldet werde.

Durch das viele Kratzen käme es aber langfristig zu einem Umbau der Haut. Dann würden neue Nerven wachsen, die ihrerseits Juckreiz hervorrufen könnten.

Mögliche Therapien gegen Juckreiz

Welche Therapien gegen Juckreiz angewendet werden, hängt von den Ursachen und der Art des Pruritus ab. Angestrebt wird immer eine kausale Therapie, also eine Behandlung der Ursache.

Juckreiz ist aber noch immer eine diagnostische und therapeutische Herausforderung und beschäftigt nicht nur Dermatologen, sondern auch Hausärzte. So kann er Begleitsymptom vieler innerer, onkologischer oder neurologischer Krankheiten sein.

Die Diagnose der den Juckreiz auslösenden Erkrankung ist deshalb oft schwierig und sollte möglichst fachübergreifend erfolgen.

Da dem Juckreiz unterschiedliche Pathomechanismen zu Grunde liegen, gibt es je nach Ursache verschiedene Therapie-Optionen.

Bei Juckreiz durch Eisenmangel kann schon Ernährungsumstellung helfen

Wird etwa ein Eisenmangel bei betroffenen Patienten festgestellt, so können oft schon entsprechende Hausmittel wie die passende Zusammenstellung der konsumierten Lebensmittel helfen.

Ist der Juckreiz besonders auf trockene Haut zurückzuführen, helfen Patienten oft rückfettende Salben oder Ölbäder. Bei Afterjucken können dagegen Sitzbäder oder Kompressen zu einer Besserung führen.

In der Schulmedizin wird bei chronischem Juckreiz oft auch auf Kortison-Salben zurück gegriffen, um die Beschwerden zu lindern. Bei Lebererkrankungen gibt es laut ÄrzteZeitung hingegen positive Berichte über den Einsatz von Dronabinol oder den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Sertralin.

 

 

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