Gesichtslähmung: Schlaganfall muss nicht immer schuld sein


Nicht immer wenn bei einem Menschen eine Gesichtshälfte herunterhängt handelt es sich gleich um einen Schlaganfall. Hier kann es sich auch um eine Gesichtslähmung handeln. Diese kann allerdings viele Ursachen haben. Die meisten Gesichtslähmungen bilden sich aber binnen weniger Wochen wieder zurück und nur selten kommt es zu bleibenden Schäden.

Ein typisches Merkmal für ein Schlaganfall ist, wenn das Gesicht schief auf einer Seite herunter hängt. Doch dies kann auch auf eine andere Krankheit hinweisen. Hängt das Gesicht auf einer Seite schief herunter, kann es sich auch um eine Lähmung des Gesichtsnervs handeln. Das kann zudem unterschiedliche Ursachen haben.

Der Gesichtsnerv ist der siebente von zwölf Nerven im menschlichen Gehirn und ist für die mimische Muskulatur zuständig. Er ist auch dafür zuständig, dass wir mit unserer Zunge etwas schmecken können. All das fällt aus oder funktioniert nur noch eingeschränkt, wenn der Nerv verletzt oder beschädigt ist.

Bei 65 Prozent wird keine Ursache für die Lähmungserscheinung gefunden

In Fachkreisen wird diese Krankheit auch Fazialisparese genannt. Hier unterscheiden die Mediziner drei Kategorien. Die zentrale Parese entsteht durch eine Verletzung im menschlichen Gehirn. Grund hierfür kann neben einem Schlaganfall auch eine Schädelverletzung, Tumore oder Entzündungen im Gehirn sein.

Bei der so genannten peripheren Parese ist ein Teil des besagten Nervs betroffen. Bei 65 Prozent der Betroffenen lässt sich keine Ursache für die Gesichtslähmung feststellen, dann sprechen die Mediziner von der idiopathischen Parese. Sie kommt von einer Minute auf die andere und kann praktisch jeden Menschen treffen.

Geschmacksnerven betroffen

Tritt die Gesichtslähmung auf funktionieren meist einfache Dinge, wie zum Beispiel Naserümpfen oder Stirnrunzeln nicht mehr. Auch ein Augenlid kann nicht mehr geschlossen werden. Zudem hängt ein Mundwinkel herunter, eigentlich alles typische Symptome eines Schlaganfalls. Einige klagen dann auch über ein Missempfinden an der Wange oder ein Druckgefühl im Ohr.

Auch die Geschmacksnerven könnten bei einer Gesichtslähmung betroffen sein. Auch eine Überempfindlichkeit bei Geräuschen ist durchaus möglich. Sollten diese Symptome auftauchen, sollte unbedingt ein Notarzt verständigt werden. Denn ein Laie kann nur in den seltensten Fällen unterscheiden, ob es sich um einen Schlaganfall oder um eine Fazialisparese handelt.

Borreliose kann zur Gesichtslähmung führen

Als erstes Untersuchen die Mediziner, ob der Patient einen Schlaganfall hatte, wenn nicht, suchen sie Schritt für Schritt nach der Ursache. Um eventuelle Verletzungen oder Tumore im Gehirn auszuschließen, erhält der Patient eine MRT- und CT- Untersuchung. Des Weiteren untersuchen die Mediziner Muskeln und Nerven und erstellen ein Blutbild. Dann schauen die Ärzte ob es Störungen im Ohr gibt.

Aber auch die Gehirn- Rückenmark- Flüssigkeit wird entnommen und in einem Labor untersucht. Dadurch können Mediziner Bakterien, Krebszellen oder Entzündungen auf die Spur kommen, die die Gesichtslähmung verursachen könnten. So kann auch eine Borreliose zur Lähmung des Gesichtes führen.

Austrocknung des Auges droht

Haben die Mediziner dann die Ursache gefunden, behandeln sie die Grunderkrankung. Wird keine Ursache gefunden, heißt das aber nicht, dass die Parese keinen Grund hat. So gehen einige Experten davon aus, dass ein reaktiviertes Herpes- Simplex- Virus die Lähmung auslösen kann. Die Ursache könnte die Entzündung eines Teils des Nervs sein. Dadurch kann der Nerv anschwellen und die Durchblutung ist dadurch gestört.

Auf jeden Fall muss die Fazialisparese behandelt werden, denn wenn ein Augenlid nicht geschlossen werden kann, trocknet die Hornhaut des Auges auf und es kann zu Entzündungen des Auges kommen. Aus diesem Grund sollen Patienten ihr Auge mit einer entsprechenden Salbe behandeln. In der Nacht wird das Auge dann durch einen Uhrglasverband geschützt.

Kortisontabletten und Gesichtsmassagen

Des Weiteren müssen über einen Zeitraum von etwa 10 Tagen Kortisontabletten genommen werden. Die Dosis ist hier aber sehr gering. Ergänzend können auch Gesichtsmassagen und Mimikübungen durchgeführt werden.

80 Prozent der idiopathischen Parese bilden sich binnen weniger Wochen wieder vollständig zurück. Nur in den seltensten Fällen dauert die Heilung Monate oder gar Jahre. In nur sehr geringen Fällen bildet sich die Parese nur bedingt oder gar nicht zurück. In diesen Fällen sollte über eine Operation nachgedacht werden. Vor allem dann, wenn das Augenlid nicht mehr geschlossen werden kann.

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