Mediziner warnen vor Creutzfeldt-Jakob-Krankheit


Während der BSE-Krise der 90er-Jahre war viel die Rede davon, dass durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch Menschen an Creutzfeldt-Jakob erkranken könnten. Dies allerdings erst Jahre später, aufgrund der sehr langen Inkubationszeit. Viele verzichteten damals auf Rindfleisch aus Großbritannien, weil die Seuche dort besonders schlimm war, andere auf jegliches Rindfleisch. Sicher sind auch einige Menschen seinerzeit zu Vegetariern geworden.

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit kann von BSE-Fleisch verursacht werden

BSE – bovine spongiforme Enzephalopathie – ist eine Gehirnerkrankung bei Rindern, auch Rinderwahnsinn genannt, die vermutlich durch bestimmte Proteine (sog. Prionen) über die Nahrung übertragen wird. Folge ist eine Zerstörung des Gehirns. Man nimmt an, dass die Krankheit dadurch verbreitet wurde, dass Rinder mit Tiermehl gefüttert wurden, welches wiederum aus den Kadavern von BSE-infizierten Rindern hergestellt wurde. Um Futterkosten zu sparen hatte man den Pflanzenfresser Rind zum unfreiwilligen Kannibalen gemacht.

Kommt es zu einer Infektion bei Menschen spricht man von der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, benannt nach zwei Neurologen. Die sogenannte neue Variante der Krankheit (in Folge von BSE) wird von der zufällig (sporadisch) auftretenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit unterschieden, welche auch genetische Ursachen haben kann. Bei der neuen CJK kommt es anfangs meist zu depressiver Verstimmung, Ängstlichkeit, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Im späteren Verlauf kommt es zu schweren Bewegungsstörungen und dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit (Demenz). Sowohl die sporadische als auch die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verlaufen immer tödlich.

Bisher nur wenige Fälle

Weltweit waren beim Überwachungszentrum für CJK in Edinburgh bis Juni 2014 insgesamt 229 Fälle der neuen Variante registriert worden, davon 177 aus Großbritannien. „In Deutschland ist bisher kein einziger Fall bekanntgeworden“, erklärte  Professor Inga Zerr von der Universität Göttingen gegenüber der „Welt“. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2000 sanken die Zahlen und es bestand Hoffnung auf das Auslaufen der Erkrankungswelle. Allerdings warnt Professor Armin Giese von der Ludwig-Maximilians-Universität München im selben Blatt: „Die Ruhe kann trügerisch sein.“ Demnach könnte der Hälfte der Bevölkerung eine Welle von CJK-Erkrankungen noch bevorstehen. „Das ist ein sehr realistisches Szenario“, findet auch Zerr. Das Risiko sei jedoch rein theoretisch. Es gebe bisher keine direkten Hinweise. „Es kann auch sein, dass gar nichts passiert“, so die Neurologin. „Und diese Möglichkeit wird von Jahr zu Jahr wahrscheinlicher.“

Erst in 20 Jahren Entwarnung möglich

Allerdings tragen zahlreiche Menschen die betreffenden Prionen in sich, ohne zu erkranken. „Nach ersten Fällen hat man in Großbritannien gezielt geprüft: Wie hoch ist die Durchseuchung der Bevölkerung?“, so Giese. Durch die Untersuchung von tausenden Gewebeproben von bei OPs entfernten Mandeln und Blinddärmen zeigte sich, dass „im Mittel je einer von 2000 Menschen Träger der Prionen“ ist. Wie der Prionenforscher erläuterte, bedeute das Ergebnis jedoch nicht, dass die Krankheit bei all diesen Menschen noch ausbrechen werde. „Es kann sein, dass die Menge im Körper niedrig bleibt, und sie niemals krank werden.“ „Schlimmstenfalls kann die Krankheit endemisch werden“, so Zerr. Im besten Fall passiere gar nichts. „Erst in 20 Jahren wird man sicher sagen können: Es ist alles gutgegangen.“

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