Depressionen: Jeder zweite Patient wird nicht richtig behandelt


Wer in Deutschland unter Depressionen leidet braucht nicht auf medizinische Hilfe hoffen. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Studie der Bertelsmann- Stiftung. Stattdessen erhalten viele Menschen mit Depressionen viel zu früh Medikamente, obwohl dies noch gar nicht nötig wäre. Besonders alte Menschen haben wenig Chancen einen Therapieplatz zu bekommen.

Zwar sind Erkrankungen des Muskel- Skelett- Apartes immer noch der Grund für die häufigsten Krankschreibungen hierzulande. Aber psychische Störungen nehmen bei den Deutschen immer weiter zu, dass sie schon der zweithäufigste Grund, gleich nach Rückenschmerzen, für Krankschreibungen sind.

18 Prozent der Patienten erhalten gar keine Hilfe

Allerdings kommt eine aktuelle Studie jetzt zu dem Ergebnis, dass Patienten mit depressiven Störungen hierzulande nicht hinreichend behandelt werden. So bekommen 18 Prozent der Patienten mit psychischen Störungen gar keine Hilfe. Andere Patienten bekommen statt eine Therapie viel zu früh Medikamente.

Das berichtet das Magazin der „Spiegel“ vorab in seiner aktuellen Ausgabe. Das Magazin beruft sich in seinem aktuellen Bericht auf eine Studie der Bertelmanns- Stiftung, die sich wiederum auf Daten von 84 Krankenkassen beruft. Der aktuellen Studie zufolge werden drei von vier Patienten mit schweren Depressionen nicht richtig medizinisch versorgt, heißt es in dem Bericht weiter.

Viel zu viele Medikamente verschrieben

56 Prozent der Patienten mit schweren depressiven Störungen werden der Untersuchung zufolge nicht ausreichend und 18 Prozent sogar gar überhaupt behandelt. Im Gegensatz dazu erhalten 12 Prozent der Patienten mit leichten Depressionen Psychopharmaka, obwohl dies medizinisch gar nicht angezeigt ist. Wie es in der Studie der Bertelsmann- Stiftung weiter heißt, ist ein Trend einer potenziellen Überversorgung mit steigenden Alter mittels Antidepressiva bei leichten Depressionen zu erkennen.

Ältere Menschen mit psychischen Problemen haben allerdings wenig bis gar keinen Zugang zu Psychotherapeuten, wie es in dem aktuellen Bericht weiter heißt. Nach aktuellen Zahlen der Krankenkasse Barmer GEK erhalten weibliche Versicherte im Alter von 35 Jahren fünf Prozent Psychotherapie. Bei den 70 Jahre alten Versicherten sind es im Gegensatz dazu nur noch 0,8 Prozent.

Jeder fünfte Deutsche bekommt einem al im Leben Depressionen

Daraus ergibt sich die Gefahr, dass junge Menschen mit leichten psychischen Problemen schneller an die eh schon knapp gesäten Therapieplätze kommen, als Menschen mit schweren psychischen Störungen. So Ulrich Hegerl Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychiatrie des Universitätsklinikums Leipzig in einem aktuellen Interview mit dem „Spiegel“.

Aktuellen Zahlen zufolge erkrankt etwa jeder fünfte Bundesbürger mindestens einmal in seinem Leben an einer psychischen Störung. In Deutschland leben derzeitig etwa vier Millionen Menschen mit einer Depression, die eigentlich einer medizinischen Behandlung bedarf.

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