US-Arzt: Täglich Aspirin zur Krebsvorsorge?


Der amerikanische Mediziner David Agus ist der Meinung, dass eine tägliche Dosis Aspirin geeignet sei, das Risiko an Krebs zu erkranken zu reduzieren. Auch zur Prävention gegen Herzinfarkte oder Schlaganfälle könnte Aspirin laut Agus angewendet werden.

Dr. David B. Agus hat an den angesehensten Universitäten Amerikas studiert und ist ausgebildeter Onkologe. Er unterrichtet als Professor an der University of Southern California in Los Angeles und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Zudem schreibt er regelmäßig für die New York Times und arbeitet für den Fernsehsender CBS.

Prominente Persönlichkeiten wie Steven Spielberg oder Al Gore zählen zu den Patienten des 49-jährigen Mediziners, der von sich selbst behauptet eigentlich ein Nerd zu sein, der sich tagelang in einem Labor verlieren könne.

Während er in seinen Büchern häufig die „personalisierte Medizin“ propagiert, geht er beim Thema Prävention von Krebs oder anderen lebensbedrohenden Krankheiten einen gänzlich anderen Weg, was ihm vermehrt Kritik vieler seiner Kollegen einbringt.

US-Arzt hält präventive Einnahme von Aspirin zur Krebsvorsorge für sinnvoll

Agus vertritt nämlich die Meinung, dass die tägliche Einnahme einer geringen Dosis von Aspirin zusammen mit einem Cholesterinhemmer das Risiko einer Krebserkrankung vermindern würde und auch anderen Risiken wie Herzinfarkt oder Schlaganfall damit wirksam vorgebeugt werden könne. Dies gelte auch für Menschen ohne Herzprobleme und mit normalem Cholesterinspiegel.

Zur Begründung für die Wirksamkeit von Aspirin und Cholesterinhemmern führt Agus aus, dass beide Medikamente entzündungshemmend wirken würden und Entzündungen meist eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Krankheiten -von Darmkrebs bis Demenz- einnähmen.

Auch englische Studien wollen positive Effekte belegen

Der Arzt bezieht sich zur Untermauerung dieser These auf verschiedene Studien, die seiner Meinung nach diese Schlüsse zulassen würden.

Ähnlich sieht das auch ein Forscherteam um den Präventionsexperten Jack Cuzick von der Queen Mary University of London. Im Fachblatt „Annals of Oncology“ berichteten sie vor einigen Wochen, dass die tägliche Einnahme einer geringen Dosis des in Aspirin enthaltenen Wirkstoffes Acetylsalicylsäure (ASS) das Risiko von Herinfarkten oder Schlaganfällen bei Männern im Alter zwischen 50 und 65 Jahren um neun Prozent verringern würde.

Bei Frauen sei das Risiko ebenfalls um sieben Prozent reduziert.

Deutscher Pharmakologe spricht von „Gefährlichem Irrweg“

Detlev Ganten, Professor für Pharmakologie und Molakularmedizin und ehemaliger Vorstandvorsitzender der Berliner Charité sagte zu der Empfehlung des US-Arztes jedoch, er halte es „für einen gefährlichen Irrweg mit Medikamnten flächendeckend Prävention zu betreiben“.

Man könne dies zwar tun, sofern medizinisch gerechtfertigt, so etwa bei älteren Patienten nach einem Herzinfarkt oder bei Menschen mit Übergewicht bzw. Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes oder hohen Blutfettwerten, aber „diese Medikamente einfach querbeet flächendeckend an die Bevölkerung zu geben“, halte er „gelinde gesagt für verantwortungslos“.

Kritiker verweisen auf Nebenwirkungen

Zudem wies Ganten auch auf die zahlreichen Nebenwirkungen von Aspirin und Cholesterinhemmern hin. So könne ihre Einnahme zum Beispiel Blutungen, Asthma und Leber- oder Nierenfunktionsstörungen zur Folge haben. Vor allem die blutverdünnende Eigenschaft von Aspirin wird unterschätzt. Experten, wie Friedrich Hagenmüller, schätzen allein in Deutschland die Zahl der Todesfälle, an denen Aspirin beteiligt sei, auf 1.000 bis 5.000.

Wer daher solche Medikamente über einen längeren Zeitraum einnehme, könne damit seine Gesundheit gefährden.

 

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