Honorarverhandlungen zwischen Krankenkassen und KV in Brandenburg vorerst gescheitert


Die Honorarverhandlungen zwischen der kassenärztlichen Vereinigung und den gesetzlichen Krankenkassen in Brandenburg geraten weiter ins Stocken. Die Kassen wollen die höhere Morbidität nicht anerkennen, so will die Kassenärztliche Vereinigung jetzt das Schiedsamt anrufen.

Die Gespräche zwischen der Ärzteschaft und den gesetzlichen Krankenkassen in Brandenburg sind im vollen Gange. Die Honorargespräche zwischen beiden Parteien scheinen vorerst allerdings gescheitert. Begründung: Die Krankenkassen erkennen die höhere Morbidität nicht an, so die Kassenärztliche Vereinigung. Sie will nun das Schiedsamt anrufen, wie es am Donnerstag hieß.

Vorausgegangen war ein aktuelles Schreiben der brandenburgischen Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassenverbände. In diesem Schreiben lehnten die gesetzlichen Krankenkassen die Forderungen der Kassenärztlichen Vereinigung einstimmig ab. Die Forderungen würden weit über die Rahmenbedingungen des Beschlusses des Bewertungsausschusses hinausgehen, hieß es in der Begründung.

Höhere Durchschnitt

Der für Honorarfragen zuständige Vize der Kassenärztlichen Vereinigung Dr. Peter Noack kritisierte zudem, dass die Krankenkassen die regionalen, für Brandenburg typischen und unstrittigen Faktoren, wie erhöhter Krankenstand und höhreres Durchschnittsalter nicht berücksichtigen würden. Und das obwohl dies gesetzliche Regelungen eindeutig vorsehen.

So haben die Ärzte in Brandenburg deutlich mehr chronisch Kranke, ältere und multimorbide Patienten zu versorgen, als die restlichen Bundesländer im Durchschnitt. Trotz dieser Erkenntnis stellen die Krankenkassen nicht die nötigen Gelder zur Verfügung, betonte Noack weiter. Er rief die Krankenkassen ein weiteres Mal auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

Detaillierte Daten fehlen

Die Krankenkassen ihrerseits rechtfertigten ihren Standpunkt damit, dass die Kassenärztliche Vereinigung es bis jetzt versäumt hätte, ihre Forderungen mit entsprechenden Daten zu untermauern.

Damit die Krankenkassen handeln können, benötigen sie detaillierte Zahlen. Dieser Bitte ist die Kassenärztliche Vereinigung aber bis jetzt noch nicht nachgekommen, so die Sprecherin der regionalen Ersatzkassen vdek Dorothee Binder- Pinkepank in einem Interview mit der „Ärzte-Zeitung“.

2,8 Prozent mehr Honorar in Sachsen Anhalt

Im Bundesland Brandenburg werden etwa 20 Prozent aller fachärztlichen Tätigkeiten nicht bezahlt. Strukturprobleme in der ambulanten Versorgung können somit nicht entgegen gewirkt werden und Innovationen in der ambulanten Medizin nicht umgesetzt werden, so Noack.

Im Bundesland Sachsen- Anhalt hat das Schiedsamt der Kassenärztlichen Vereinigung allein für Morbiditätsfaktoren 2,8 Prozent mehr Honorar zugesagt, als es der Bewertungsausschuss der gesetzlichen Krankenkassen vorgehsehen hatte.