Fehldiagnosen Teil 4/5: Die Nadel im Heuhaufen finden


Wie findet man eine Nadel im Heuhaufen? Wühlt ein Einziger im gesamten Heuhaufen, steht ihm eine unmögliche Aufgabe bevor. Nicht jeder Halm kann überprüft werden. Greift er jedoch für die Bewältigung dieser Aufgabe zu einem Hilfswerkzeug, lässt sich das Problem lösen: Ein Magnet kann über den Heuhaufen gehalten werden, sodass die Nadel von der Magnetkraft angezogen und gefunden wird. Problem gelöst.

Warum sollten nicht auch Hilfswerkzeuge für die Diagnose in der Medizin herangezogen werden?

Ein Heuhaufen Krankheiten

Ärzte stehen vor einem Heuhaufen von Krankheiten. Die Nadel, die sie suchen, ist die Krankheit, die ihren Patienten plagt. Tausende von Krankheiten zu durchsuchen ist mühselig und zeitintensiv. Das Aufrufen all der Information über Krankheiten, deren Symptome und Behandlungsmittel ist eine anspruchsvolle Aufgabe für  jedes menschliche Gehirn. Welche Magneten kommen den Ärzten zur Hilfe?

Ein Leben lang lernen

Die Diagnostizierung ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Schließlich ist aber der Arztberuf ein anspruchsvoller.  Kann nicht erwartet werden, dass Ärzte sich im Heuhaufen auskennen?

Das Medizinstudium ist bereits der längste universitäre Studiengang. Darauf folgen die klinischen Jahre und die Spezialisierung. Müssten Ärzte jede einzelne Krankheit auswendig können, müssten sie dazu ein Leben lang ununterbrochen lernen. Ständige Durchbrüche und Aktualisierungen in der Medizin hätten zur Folge, dass Ärzte sicherlich die sachkundigsten Menschen auf Erden wären. Leider würde ihnen neben dem Lernen keine Zeit für das Heilen bleiben.

Außerdem stößt das Auswendiglernen irgendwann an unüberwindbare Grenzen, nämlich das menschliche Gedächtnis. Alle Krankheiten, Symptome, Behandlungen auswendig zu lernen ist eine unmögliche Aufgabe.

4 Augen sehen besser als 2

Ein Arzt kann sich irren. Wirft ein anderer Arzt einen Blick auf die Diagnose, entdeckt er möglicherweise den Irrtum. Dieser Vorgang verkörpert die Idee der Kollegialität. Ein Besuch bei mehreren Ärzten ist dennoch zeitintensiv und kostspielig. In schwach besiedelten Gegenden gibt es oft nur einen Arzt. Was dann?

Die physische Präsenz eines anderen Arztes ist heutzutage dank Internet jedoch gar nicht notwendig. Alle sind mit allen per Mausklick verbunden. Ärzte auch.

Das Zeitalter des Internets

Jeder Arzt hat die größte Enzyklopädie der Welt zur Verfügung: das Internet.

Allerdings zeigen Suchmaschinen wie Google zu viele und zu allgemeine Information auf. Überdies ist die gefundene Information oft nicht seriös. Eine Webseite behauptet das eine, während eine andere Webseite genau das Gegenteil für richtig erklärt. Außerdem werden all die Information auf einen Haufen geworfen, durch den man sich arbeiten muss. Eine überwältigende Datenmenge erschwert die Suche mehr als zu helfen.

Medizinische Datenbanken – Fachwissen per Mausklick

Neben den allgemeinen Suchmaschinen existieren auch medizinische Datenbanken. Ausschlaggebend ist, dass die Information seriös und sortiert ist. Allerdings fokussieren sich bestehende  Datenbanken meist auf nur ein bestimmtes Teilgebiet der Medizin oder nur auf Krankheiten, die geographisch begrenzt auftauchen. Andere sortieren die Suchergebnisse alphabetisch. Allerdings kennen Krankheiten keinen Alphabet, sodass der Arzt keine alphabetische Sortierung braucht, sondern eine, die seinen Parametern entspricht.

Die Suche muss auf die medizinischen Bedürfnisse zugeschnitten sein und eine schnelle, präzise Diagnose ermöglichen. Lösungsansätze für das Problem der Fehldiagnose sollen helfen statt hindern.

Aus dieser Serie:

Fehldiagnosen Teil 1/5: Eine fröhliche Kindheit wird auf den Kopft gestellt

Fehldiagnosen Teil 2/5: Das Problem das alle betrifft

Fehldiagnosen Teil 3/5: Wie das Problem bewältigt werden kann

Fortsetzung:

Fehldiagnosen Teil 5/5: Das Licht am Ende des Tunnels

 

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