Multiples Myelom: Krebszellen am Wachstum gehindert


Wissenschaftler haben womöglich einen neuen Weg gefunden, um das multiple Myelom zu behandeln. Eine Therapie mit körpereigenen Abwehrzellen könnte nun die Aussichten für Patienten verbessern. In der Studie konnte das Wachstum des Knochenmarkkrebses im Durchschnitt 19,1 Monate lang verhindert werden.

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Aaron P. Rapoport von der University of Maryland School of Medicine haben mit einer Immuntherapie gute Erfolge erzielt. Die Studie mit 20 Teilnehmern wurde im Fachmagazin „Nature medicine“ veröffentlicht.

Abwehrzellen wurden auf Krebs programmiert

Den Erkrankten wurden zuerst Stammzellen entnommen und im Labor die darin enthaltenen T-Zellen dann genetisch manipuliert. T-Zellen sind im Körper für das Erkennen von Antigenen zuständig und ein wichtiger Teil des Immunsystems. Hier wurden die T-Zellen so umprogrammiert, dass sie die Tumorzellen des multiplen Myeloms angreifen und zerstören.

Den Patienten wurden anschließend 2,4 Milliarden solcher veränderter T-Zellen injiziert. Sie wurden also mit ihren eigenen Stammzellen therapiert. Bei 16 von 20 Patienten, deren Krebserkrankung sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befand, konnte eine signifikante Wirkung festgestellt werden. Außerdem zeigte die Behandlung bei keinem der Probanden nennenswerte Nebenwirkungen. Die Forscher beobachteten, dass die T-Zellen in das Rückenmark wanderten und dort langfristig in der Lage waren die Tumorzellen zu bekämpfen.

Was ist ein multiples Myelom?

Multiples Myelom entsteht durch die Mutation von Plasmazellen, die eigentlich zur körpereigenen Abwehr gehören. Die bösartigen Plasmazellen (maligne Myelome) befallen häufig das Knochenmark, da Plasmazellen sich meist dort aufhalten. Schon aus einer einzigen defekten Zelle wachsen die malignen Myelome dann unkontrolliert im Knochenmark weiter. Bei gesunden Menschen beträgt der Anteil der Plasmazellen im Rückenmark etwas unter fünf Prozent. Bei Menschen mit multiplem Myelom sind die bösartigen Plasmazellen häufig in einer Konzentration von bis zu 90 Prozent vorhanden.

Schlechte Aussichten auf Heilung

Bisher ist multiples Myelom nicht heilbar, sondern nur behandelbar. Möglichkeiten der Therapie sind Chemotherapie, eine Knochenmarkstransplantation und eine lokale Strahlentherapie. Das Ziel ist eine Zurückdrängung des Tumors, im Fachjargon Remission genannt, um die Überlebenszeit der Patienten zu verlängern. Unter Experten ist man sich uneinig, ob Patienten mit einer Remissionszeit von mehr als drei Jahren als geheilt gelten sollten oder nicht.

Tumor wuchs über zwei Jahre lang nicht

Die in der Studie veränderten T-Zellen erkannten ein Protein, dass auf 60 Prozent der Myelome nachgewiesen werden konnte. Dieses Protein soll für das Tumorwachstum verantwortlich sein. Dadurch konnte der Tumor im Durchschnitt 19,1 Monate lang am Wachsen gehindert werden. Im längsten Fall sogar 32,1 Monate lang. 14 von 20 behandelten Patienten reagierten bereits nach drei Monaten positiv auf die Behandlung.

Dr. Rapoport sagt in einer Presseaussendung der Universität, „Die Mehrheit der Patienten, die an der Studie teilgenommen haben, erfuhren einen bedeutenden klinischen Vorteil. Manche Patienten sind nach knapp drei Jahren immer noch in der Remission.“ Er ist sich sicher, dass selbst Patienten bei denen der Tumor wieder anfing zu wachsen, ohne die Studie weit weniger Kontrolle über die Krankheit bekommen hätten.

T-Zellen werden vermutlich abgebaut

Krebs mittels Immuntherapie zu behandeln ist kein neuer Ansatz. Versucht wurde dies bereits bei Leukämie oder Lymphknotenkrebs, für die Behandlung von multiplen Myelomen ist dies jedoch die erste Studie die sich damit befasst.

Obwohl die Mediziner mit manipulierten T-Zellen einen sichtbaren und relevanten Erfolg gegen die Tumore verzeichnen konnten, haben die meisten Myelome wieder zu wachsen begonnen. Warum das so ist, ist bis jetzt noch unklar. Die Forscher vermuten aber, dass die veränderten T-Zellen nach einiger Zeit vom Körper abgebaut werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.