Mehr Sex macht nicht unbedingt glücklicher


Sex macht glücklich. Das haben zahlreiche Untersuchungen belegt und bewiesen. Forscher wollten nun herausfinden, ob es stimmt, dass mehr Sex auch mehr Glück bedeutet. Das Ergebnis war durchaus überraschend.

Viele bezeichnen Sex als die schönste Nebensache der Welt. Zumindest für die Frauen in Texas, die der Nobelpreisträger Daniel Kahneman befragte, ist er das auch. Auf die Frage, was sie im Alltag am glücklichsten macht, erklärte die Mehrheit der Frauen: Sex.

Mehr Sex = mehr Glück?

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2004 rechnete Glücksgefühle in Geld um. Auch hier macht Sex am glücklichsten und viel Geld bringen. 49 000 Dollar würde ein Paar im Jahr an „Glücksdollar“ verdienen, wenn es vier oder mehrmals im Monat Sex hat, anstatt ein einziges Mal.

Für die in der August Ausgabe des „Journal of Economic Behaviour and Organization“ erschienene Studie verordneten Wissenschaftler einer Gruppe von Paaren ihre Koitusfrequenz zu verdoppeln. Die andere Gruppe bekam keine besonderen Anweisungen. Beide Gruppen sollten aber täglich einen Fragebogen ausfüllen und abschicken. Damit dies auch wirklich gemacht wird, bekamen die Teilnehmer einen finanziellen Anreiz.

Bisher kein kausaler Zusammenhang

Die Freiwilligen wurden durch Anzeigen in Zeitungen gesucht. Voraussetzung war, dass sie zwischen 35 und 65 Jahre alt waren und keine Beziehungsprobleme oder sonstige Begleiterkrankungen hatten. Insgesamt nahmen 128 Menschen an der Studie teil, die von George Loewenstein geleitet wurde.

Die Studie sollte zeigen, ob zwischen Sex und Glück ein direkter kausaler Zusammenhang besteht. Bisher hielt man es in dieser Beziehung eher wie die Henne mit dem Ei. Was bedingt das andere? Sind Menschen mit mehr Sex glücklicher, oder haben glücklichere Menschen mehr Sex?

Mehr Sex brachte nicht mehr Spaß

Der Feldversuch zeigte, dass die Paare, die nun doppelt so oft Geschlechtsverkehr hatten als zuvor, dabei nicht unbedingt mehr Spaß hatten oder glücklicher wurden.

Auf einer Skala trugen die Paare unter anderem ein, wie viel Spaß sie hatten, wie ihre Stimmung ist und wie sie ihr sexuelles Verlangen einstufen würden. In der Gruppe mit mehr Sex verschlechterten sich alle drei Faktoren im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Ist viel Sex also schlecht für Stimmung, Spaß und sexuelles Verlangen von Paaren?

Anreiz für Teilnehmer sollte sexyer sein

Eher nicht. Die Forscher rund um George Loewenstein von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA, vermuten eher, dass die Studie selbst der Stimmungskiller war. Durch die Anweisung, mehr Sex zu haben, ergab sich für die Paare sozusagen ein Zwang. Der Grund weshalb sie Sex hatten, habe sich verändert, meinen die Wissenschaftler.

„Wenn wir es uns leisten können, dieselbe Studie noch einmal zu machen, würden wir die Teilnehmer durch Anreize wie Hotelzimmer zu mehr Sex motivieren, anstatt sie anzuweisen mehr Sex zu haben“, erklärt Loewenstein.

Es war also nicht die Tatsache, dass die Paare mehr Sex hatten, die weniger sexuelles Verlangen und Spaß zur Folge hatte. Viel mehr lag es daran, dass die Paare den Sex nicht selbst initiierten, sondern als Pflicht ansahen, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Qualität statt Quantität

Trotz dieser Ergebnisse hält Loewenstein an der Überzeugung fest: viele Paare haben zu wenig Sex und mehr Sex würde ihnen gut tun. Sein Kollege Tamar Krishnamurti sagt, Paare könnten die Erkenntnisse der Studie nützen, um ihr Sexualleben zu verbessern. Und zwar, indem sie sich mehr darauf konzentrieren, guten Sex zu haben, anstatt einfach nur mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.