Klinikclowns – Wirksamkeit soll nun durch Studie erfasst werden


Klinikclowns helfen Kindern beim Gesundwerden. In einer Klinik in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern, will man nun mit einer Studie herausfinden, ob das denn auch wirklich stimmt.

Mit ihren roten Nasen, bunten Gewändern und Witzen verbreiten sie Heiterkeit und Spaß in der sonst so ernsten Umgebung des Krankenhauses. Die Klinikclowns sind vor allem auf den Kinderstationen sehr gern gesehene Gäste und lassen die Kinder für einen kurzen Augenblick vergessen, dass sie krank sind und Schmerzen haben. Und Lachen ist bekanntlich gut für den Heilungsprozess. Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirksamkeit der Klinikclowns aber noch nicht.

Klinikclowns sollen fixer Bestandteil der Kinderstation werden

Deshalb initiierte die Universitätsmedizin Greifenwald eine Studie, um mit wissenschaftlichen Methoden die positive Wirkung der Clowns nachzuweisen. „Wenn Klinikclowns aber wirklich den Kindern gut tun und sie den Klinikalltag für die kleinen Patienten erleichtern, dann sollten Clowns auf Kinderstationen ein fester Bestandteil des pflegerischen und ärztlichen Teams sein“, sagte der Direktor der Kinderchirurgie, Professor Winfried Barthlen in einer Presseaussendung der Klinik.

Die Pilotstudie startet im Juli. Es handelt sich um ein Projekt, dass die Klinik gemeinsam mit dem „Institut für Psychologie/Sozial-und Organisationspsychologie“ der Humboldt-Universität zu Berlin durchführt. Zur Erfassung werden Fragebögen an Kinder, Eltern und das Pflegepersonal ausgeteilt. Außerdem wird der Anteil des Hormons Oxytocin durch Speichelproben der Kinder gemessen. Oxytocin ist auch bekannt als Kuschelhormon und kann den Glückszustand eines Menschen anzeigen. Die Speichelproben werden vor und nach dem Besuch der Clowns genommen.

Clowns nehmen Kindern die Angst

Schon jetzt kommen die Klinikclowns des Vereins „Grypsnasen“ regelmäßig zu Besuch. Alle ein bis zwei Wochen heitern die Clowns die Kinder ehrenamtlich auf.

Nach den bisherigen Erfahrungen hat Lachen eine stressreduzierende und befreiende Wirkung auf die kleinen Patienten. „Wir gehen darüber hinaus davon aus, dass der Einsatz der Clowns bei der Visite, bei der Vorbereitung auf eine Operation, vor der Narkose, bei einer Routineuntersuchung oder beispielsweise bei einem größeren Verbandswechsel schmerzmildernd wirkt und weniger Medikamente benötigt werden“, erläutert Professor Barthlen.

Die Clowns sollen außerdem helfen, den Eltern und Kindern die Angst vor Operationen zu nehmen. Kinder hätten den Aufenthalt im Krankenhaus dann nicht als angsteinflösend in Erinnerung und das hilft, dass sie auch in Zukunft keine Angst vor Krankenhausaufenthalten haben.

Auswirkungen auf Kinder, Pfleger, Ärzte und Eltern sollen festgestellt werden

An der Studie werden insgesamt 48 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren teilnehmen. Die Hälfte der kleinen Patienten wird zusätzlich zur medizinischen Behandlung eine Clown-Therapie erhalten, die andere Hälfte nicht. So kann festgestellt werden, welche Auswirkungen der Clown-Besuch wirklich hat.

Vier zentrale Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der Studie.

  1. Sind chirurgisch kranke Kinder in der Clownsinterventionsgruppe nach der Behandlung „glücklicher“, das heißt fröhlicher, angstfreier, oxytocinreicher als Kinder in der Kontrollgruppe ohne Clowns?
  2. Brauchen die kranken Kinder in der Clownsgruppe weniger Schmerzmittel und diese weniger lang als die der Kontrollgruppe?
  3. Sind die Eltern der Kinder nach der Behandlung zufriedener als die Eltern von Kindern in der Kontrollgruppe?
  4. Wie wirkt sich die Clownsarbeit auf das ärztliche und pflegerische Personal der kinderchirurgischen Station aus?

 

Die Psychologin Dr. Tabea Scheel von der Humboldt-Universität zu Berlin hat für die Pilotstudie mehrere wissenschaftliche Fragebögen erarbeitet. „Wir wollen alle am Genesungsprozess Beteiligten einbeziehen“, erläuterte die Berliner Projektpartnerin den neuen Ansatz. Deshalb werden neben den Kindern auch die Eltern, die Pfleger und die Ärzte der Kinderchirurgie befragt.

Heilende Wirkung von Humor noch viel zu wenig erforscht

Unterstützt wird das Projekt auch von prominenter Seite. Der Arzt und Kabarettist Eckhart von Hirschhausen setzt sich mit seiner Stiftung „Humor hilft heilen“ für eine genauere, wissenschaftliche Erforschung von Humor und Lachen in Bezug auf Heilung ein. Die Stiftung erforscht im Moment in Zusammenarbeit mit einer Brandenburger und einer Stuttgarter Klinik, die Auswirkungen von Klinikclowns auf die Genesung von Schlaganfallpatienten.

Die Greifswalder Studie wird von der Stiftung begleitet. Der Nachweis der Wirksamkeit von Klinikclowns gestaltet sich oft schwierig. Es gibt einfach sehr viele Einflussfaktoren und unterschiedliche Krankheitsverläufe, die den Nachweis im Einzelfall problematisch gestalten.

Die Deutsche Presse Agentur (dpa) berichtet, dass in Deutschland derzeit rund 500 Klinikclowns arbeiten. Die Klinikclown-Szene ist mit 50 bis 60 Vereinen jedenfalls stark am Wachsen. Die Ergebnisse der Studie sollen bereits Ende des Jahres vorliegen und werden dann auch öffentlich vorgestellt.

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