Bauchspeicheldrüsenkrebs: Mögliche Früherkennung durch Urintest


Bauchspeicheldrüsenkrebs verläuft in den meisten Fällen tödlich. Der Grund ist nicht, dass er nicht behandelbar wäre. Vielmehr liegt das Problem in der späten Diagnose. Dann ist der Krebs schon in der terminalen Phase und die Patienten haben oft nicht mehr lange zu leben.

Eine Studie von britischen Forschern am Barts Cancer Institute der Queen Mary Universität London hat nun drei bestimmte Proteine nachgewiesen, die bei Krebspatienten in höherer Konzentration im Urin vorkommen. Der Vorteil: mit einem einfachen, kostengünstigen Test kann der Pankreas Krebs schon in einem sehr frühen Stadium eindeutig erkannt werden.

Späte Diagnose gleicht einem Todesurteil

Derzeit leben weniger als fünf Prozent  der Patienten länger als fünf Jahre nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. In Europa starben 2013 mehr als 40 000 Menschen daran, berichten die Forscher rund um Tatjana Crnogorac-Jurcevic, die die Studie geleitet hat.

Die Studie, die im Fachmagazin Clinical Cancer Research veröffentlicht wurde,  untersuchte 488 Urinproben. Davon waren 192 von bekannten Bauchspeicheldrüsenkrebs Patienten, 92 von Patienten mit einer chronischen Entzündung des Pankreas und weitere 87 von gesunden Menschen, die sich freiwillig zur Teilnahme an der Studie meldeten. Zur Überprüfung wurden auch 117 Proben von Patienten mit Erkrankungen von Leber und Gallenblase untersucht.

Drei Proteine bei Erkrankten in erhöhter Konzentration

Insgesamt fand man 1 500 verschiedene Proteine in den Urinproben. Aufgrund früherer Erkenntnisse wurden drei dieser Proteine für eine nähere Untersuchung ausgewählt: die Proteine LYVE1, REG1A und TFF1. Diejenigen, die von Bauchspeicheldrüsenkrebs betroffen waren, hatten im Vergleich mit gesunden Menschen einen erhöhten Anteil dieser Proteine im Urin.

Man konnte die Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs auch eindeutig von jenen mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung unterscheiden. Wie die gesunden Teilnehmer hatten auch letztgenannte eine niedrige Konzentration der Proteine LYVE1, REG1A und TFF1.

Früherkennung ist überlebenswichtig bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Werden die drei Proteine auf einem Test kombiniert, so kann Bauchspeicheldrüsenkrebs zu 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits in der Phase I und II nachgewiesen werden, sind sich die Forscher sicher. In der Phase I diagnostiziert, haben Patienten eine 60 prozentige Überlebenschance, in Phase II immerhin noch 20 Prozent. In der terminalen Phase liegt die Überlebenschance dagegen bei gerade mal drei Prozent.

Bisher wurde der Krebs mit einem Bluttest nachgewiesen. Da sich aber erst sehr spät Symptome wie Gelbfieber oder enormer Gewichtsverlust zeigen, wird der Krebs in 80 Prozent der Fälle erst entdeckt, wenn er sich schon ausgebreitet und Metastasen gebildet hat. „Bei einem Krebs, der im frühen Stadium keinerlei Symptome hervorruft, ist die Früherkennung eine große Herausforderung, aber, wenn uns das gelingt, können wir die Überlebenschance enorm verbessern“, sagt Professor Nick Lemoine, Co-Autor und Direktor des Barts Cancer Institute.

Urin- und Bluttest gemeinsam für zuverlässiges Ergebnis

Im Rahmen der Studie konnte der Test in 93 Prozent der Fälle Bauchspeicheldrüsenkrebs im Stadium I und II nachweisen. Auch bei 93 Prozent der gesunden Proben, konnte mit dem Test Entwarnung gegeben werden. Einsetzen würde man den Urintest gemeinsam mit dem herkömmlichen Bluttest. Damit konnte sogar noch eine kleine Steigerung erreicht werden. In 94 Prozent der Fälle konnte die Krebserkrankung bzw. die völlige Gesundheit der untersuchten Teilnehmer festgestellt werden.

Bis der Test aber tatsächlich im medizinischen Alltag angewandt werden kann, ist noch einiges mehr an Forschung nötig.

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