Gesundheit in der Familie: Stress der Eltern macht auch Kinder krank


Die meisten Deutschen sind scheinbar mit ihrem Familienleben zufrieden – doch der Zeitmangel nimmt in der heutigen Zeit immer weiter zu. Das hat die AOK-Familienstudie jetzt herausgefunden. Die Hektik der Eltern überträgt sich allem Anschein nach auch auf die Kinder und das kann in vielen Fällen auch zu Gesundheitsproblemen führen.

Deutsche Familien leiden immer mehr unter Zeitstress. Fast 50 Prozent der Eltern fühlt sich gestresst, wie die am Donnerstag der laufenden Woche in der Bundeshauptstadt Berlin veröffentlichte AOK-Familienstudie 2014 herausgefunden hat. Während es Eltern finanziell, körperlich, psychisch und auch in der Partnerschaft immer besser zu gehen scheint als noch vor vier Jahren, klagen immer mehr Eltern über Hektik im Alltag und Zeitmangel.

46 Prozent der befragten Deutschen gaben in der AOK Umfrage an, unter starkem oder sehr starkem Zeitstress zu stehen. Bei der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2010 waren dies noch ungefähr 41 Prozent, so die gesetzliche Krankenkasse. Als einen Grund für den ansteigenden Stresspegel vermuten die Experten der Krankenkasse den zunehmenden Anteil von Familien, in denen beide Partner einem Job nachgehen. Die Wochenarbeitszeit habe im Gegensatz dazu in den letzten Jahren kaum zugenommen.

Zwei Drittel der Eltern geht es gesundheitlich gut

Insgesamt geht es Eltern und Kindern hierzulande aber überwiegend gut und in vielen Bereichen sogar besser als bei der letzten Studie im Jahr 2010: Neun von zehn Eltern führen ein zufriedenes Familienleben, so der Studie der AOK. Zwei Drittel aller Eltern geht es gesundheitlich gut oder sogar sehr gut, wie die Krankenkasse bei der Vorstellung der Studie betonte. Bei den Kindern liegt dieser Wert nach aktuellen Angaben ihrer Mütter und Väter bei ungefähr 80 Prozent.

Die Studie zeigt außerdem auch sehr deutlich, dass gestresste Mütter und Väter häufiger Kinder mit gesundheitlichen Einschränkungen haben. Mütter und Väter, die sich zeitlich kaum oder gar nicht belastet fühlen, haben im Durchschnitt zu 16 Prozent ein Kind mit gesundheitlichen Problemen. Bei zeitlich stark belasteten Eltern liegt dieser Anteil bei ziemlich genau 24 Prozent.

Kindergesundheit hängt vom Elternwohl ab

„Unsere Studie zeigt, wie wichtig die Gesundheit der Eltern und ein entspannter Familienalltag für ein gesundes Aufwachsen der Kinder sind“, erklärt der amtierende AOK-Chef Jürgen Graalmann in einer Stellungnahme. „Kindergesundheit hängt direkt vom Elternwohl ab. Eltern selbst, aber auch die Gesellschaft sollten diese Botschaft berücksichtigen“, so der Chef der Krankenkasse weiter.

Insgesamt leidet ungefähr ein Fünftel aller Kinder nach Aussage der Mütter und Väter in regelmäßigen Abständen über Beschwerden wie beispielsweise Einschlafstörungen, Kopf- oder Rückenschmerzen, Bauchschmerzen oder Gereiztheit. 24 Prozent der Mütter und Väter, die sich zeitlich stark belastet fühlen, haben Kinder mit diesen Einschränkungen. Bei Mütter und Vätern mit wenig zeitlicher Belastung sind es hingegen nur 16 Prozent.

Medienkonsum von Familien untersucht

Helfen könnten laut der Studie der gesetzlichen Krankenkasse verlässliche Kinderbetreuung, die Chance, in den eigenen vier Wänden zu arbeiten, und flexible Arbeitszeiten. So haben Mütter und Väter, die sich als gesund ansehen, zu durchschnittlich 57 Prozent die Möglichkeit, in einem flexiblen Job zu arbeiten. Bei Eltern mit schlechtem Gesundheitszustand sind es hingegen nur 38 Prozent.

Die AOK- Familienstudie untersuchte des Weiteren auch den Medienkonsum in deutschen Familien. Der Großteil der Mütter und Väter gibt der Studie zufolge an, über die Mediennutzung der eigenen Kinder gut bis sehr Bescheid zu wissen. Die meisten Eltern informierten sich demnach über die entsprechenden Medieninhalte, sprächen regelmäßig mit dem Kind darüber und legen auch Regeln fest.

1503 Eltern befragt

Dementsprechend begrenzten die meisten Mütter und Väter die Zeit, die ihr Kind mit Medien verbringen darf. 42 Prozent der befragten Eltern griffen der Studie zufolge gelegentlich auch zum Erziehungsmittel des Medienverbots. Gerade einmal 18 Prozent der Eltern setzten Medienangebote aber als Belohnung ein.

Für die Studie der gesetzlichen Krankenkasse befragte das Sinus-Institut im Auftrag der AOK im Oktober und November des letzten Jahres 1503 Eltern mit Kindern zwischen vier und 14 Jahren. Die Umfrage wurde nach 2007 und 2010 zum dritten Mal durch die Krankenkasse durchgeführt.

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